Ist meine Gitarre bundrein?

Will man mit anderen Instrumenten zusammenspielen, sollten die Töne der Gitarre selbst in den höheren Lagen möglichst gut „stimmen“. Die grundsätzlichen Probleme der Intonation bei der Gitarre werden auf der Seite des Reutlinger Gitarrenbauers Achim-Peter Gropius recht anschaulich beschrieben. Die Intonation der Gitarre kann man heute mit einem chromatischen Stimmgerät nach sauberem Stimmen mit den Tönen im fünften und zwölften Bund überprüfen. Wichtig ist dabei, dass man die Saiten mit normalem Druck z.B. mit dem Mittelfinger (Daumen liegt genau gegenüber) gut greift.  Man wird feststellen, dass heute selbst billige Gitarren in der Stimmung recht gut sind, da das Griffbrett und die anderen Teile der Gitarre maschinell mit hoher Präzision gefertigt werden. Da diese Gitarren häufig auch mit furniertem „gesperrten“ Holz und stabiler Bebalkung gebaut werden, verziehen sie sich auch nicht so schnell.

Schwieriger wird es schon bei einer hochwertigen „leicht“ gebauten Gitarre (siehe hierzu das Interview mit dem Gitarrenbauer Matthias Dammann). Hier kann es bis zu zwei Jahre dauern, bis der Steg auf der Decke in der stabilen Position und damit die Stimmung stabil ist. Eventuell muss der Gitarrenbauer den Steg nach einer gewissen Zeit nacharbeiten. Günstig ist dabei auch für den Ton der Gitarre, wenn der Steg möglichst niedrig ist. Bei historischen Gitarren liegen die Saiten deshalb oft extrem dicht über der Decke. Manche Gitarrenbauer setzen den Hals auch leicht schräg gegen den Korpus an, damit der Steg niedrig gebaut werden kann. Auch die Saiten haben erheblichen Einfluss auf die Stimmung. Nicht immer sind die vom Gitarrenbauer empfohlenen Saiten auch die besten. Auch das Alter der Saiten hat Einfluss auf die Stimmung. Wenn ich meine ausgewählten Saiten auf meine extrem leicht gebaute Granada Gitarre von Antonio Duran (1990) aufziehe, stimmt die Gitarre bis in die hohen Lagen perfekt. Sind die Saiten aber schon einige Wochen alt, so werden die Saiten härter und die Töne in den hohen Lagen werden leicht zu hoch. Es lohnt sich, die eigene Gitarre mal mit neuen und älteren Saiten durchzuprüfen. Ist die Stimmung in den hohen Lagen generell zu hoch, sollte man weichere Saiten ausprobieren (Medium anstatt Hard). Eventuell sind aber auch Arbeiten am Steg notwendig, die man einem erfahrenen Gitarrenbauer überlassen sollte. Achim-Peter Gropius hat eine verblüffend einfache Lösung für die variable Steg Justage entwickelt, für die man auch andere Gitarren nachträglich umbauen kann. Wichtig ist dabei dass der Steg fest (aber nicht zu fest) in der Nut des Sattels sitzt. Die Schwingunge der Saite werden bei der Gitarre nicht nach unten auf die Decke wie bei Geigeninstrumenten übertragen sondern durch Kippbewegung des Sattels.

Auf eine verblüffend einfache und auch für Laien praktikable Methode zur Verbesserung der Intonation von Konrad Schwingenstein verweist ein Link bei Gropius. Er geht davon aus, dass die Bünde an der richtigen Stelle sind – das ist bei fast allen Gitarren der Fall da die meisten Griffbretter industriell oft auch schon auf numerisch gesteuerten Maschinen hergestellt werden und Gitarrenbauer sehr präzise Schablonen zum Einsägen der Bünde benutzen. Man muss dann eigentlich nur die Position des Steges und des Sattels gegebenfalls korrigieren. Ich verwende gerne Klarinetten Blätter (Reeds) um die Höhe und die Position des Sattels oder des Stegs bei „Problemgitarren“ zu korrigieren. Reeds sind konisch geschliffen, aus sehr hartem Material und dämpfen damit den Ton nicht. Durch Einschieben des konischen Blattes kann man die Position von Sattel und Stag sehr fein einstellen. Das ist auch sehr hilfreich, wenn man mal die Nut am Sattel zu tief gemacht hat oder man besonders laute Bässe spielen will. Man kann damit auch mal verschiedene Saitenlagen ausprobieren. Bei guten Gitarren wird sich aber doch ein Gang zum Gitarrenbauer empfehlen, sobald man die „persönliche“ Saitenlage herausbekommen hat.

Die „Königslösung“ für korrekte Intonation der Gitarre ist sicher heute ein  Griffbrett, das nach Spezifikationen des Ingenieurs Ernst Frisch gebaut wurde und die Einflüsse des Fingerdrucks auf die Saiten kompensiert. Bei Sebastian Stenzel findet man dazu einen guten Artikel.  Ein solch aufwändiges Griffbrett muss mit höchster Präzision gearbeitet werden und ist natürlich nicht billig.

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Eine Antwort zu “Ist meine Gitarre bundrein?

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