Saitenrechner für Gitarre, Lauten und andere Saiteninstrumente

Für normale Konzertgitarren mit 64 – 65 cm Mensur (freie Saitenlänge) gibt es ein großes Angebot an Saiten auch in verschiedenen Spannungen (Tension). Möchte man eine Gitarre aber in einer anderen Stimmung spielen z.B. wie eine Renaissance Laute 3 Halbtöne höher (g‘,d‘,a, f,c, G) oder möchte man Saiten für eine Gitarre oder ein exotisches Saiteninstrument mit einer anderen Mensur auswählen wird es schon schwierger. Dies ist besonders interessant wenn man Saiten für kleinere Kindergitarren auswählen will – die angebotenen Saiten für Kinder sind nicht immer ideal. Auf der Homepage von Hermann Fritz findet man einen leicht zu bedienenden Saitenrechner.  Den Zug kann man in kp eingeben – typisch sind etwa 7 kp für eine mittlere Spannung (Medium Tension) einer Gitarrensaite. Man kann dabei u.a. ausrechnen welchen Durchmesser äquivalente Saiten aus Nylon oder Karbon haben. Die Basssaiten sollte man mit einer Briefwaage wiegen und dann mit dem Saitenrechner das spezifische Gewicht ausrechnen. Die Firma d’Addario gibt für alle Saiten die Werte für den Zug an – damit kann man das spezifische Gewicht des Saitenmaterials dann ausrechnen nachdem man die Dicke der Saite gemessen hat oder aus den Angaben des Herstellers entnimmt. Nylonsaiten haben bei allen Herstellern ein ähnliches spezifisches Gewicht. Man muss dann eigentlich nur die richtige Dicke für die Saite auswählen z.B. mit dem d“Addario Saitenrechner.

Bei neueren Gitarren kommt es nur noch ganz selten vor, dass die Bünde der Gitarre falsch gesetzt sind. Speziell bei billigen Gitarren werden die Griffbretter heutzutage mit numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen mit großer Präzision hergestellt. Bei alten Gitarren kann es aber schon mal vorkommen, dass die Bünde nicht korrekt gesägt wurden oder dass die Position von Sattel und Steg nicht stimmt. Mit dem Bundrechner von Benjamin Stehr kann man zusätzlich zu den Saitenabmessungen auch die Position der Bünde (Frets) für verschiedene Instrumente aber auch für verschiedene Stimmungen ausrechnen. Bei Renaissance Musik wurde z.B. die wohltemperierte (wurde erst später erfunden) sondern die natürliche Stimmung angewendet, die man aber heute praktisch nur mit einer Laute (mit verschiebbaren Bünden), speziell gestimmten Tasteninstrumenten  oder einem elektronischen Instrument mit einstellbarer Stimmung realisieren kann.

Speziell für romantische Musik kann es interessant sein eine Gitarre mit (teuren) Darmsaiten oder den modernen aber ähnlich klingenden Nylgut Saite der Firma Aquila zu bespannen. Einen Saitenrechner findet man hierfür bei Arto’s New String Calculator.

Selbst wenn die Bünde korrekt gesetzt sind, „stimmt“ die Intonation einer Gitarre mit festen Bünden nie (zum Trost fast alle anderen Instrumente stimmen auch nicht!). Allenfalls die Töne der dünnen E-Saite stimmen. Mit zunehmendem Abstand der Saiten vom Griffbrett (hohe Saitenlage) und zunehmender Dicke der Saiten (z.B. G-Saite) werden die Töne zu hoch. Bei E-Gitarren korrigiert man die Stimmung durch einen verstellbaren Steg (und  Sattel), den man bei einem Wechsel des Saitentyps auch neu einstellen sollte. Bei klassischen Gitarren behilft man sich meist mit einer leichten Schrägstellung der Stegeinlage. Komplexe Lösungen wie die feinstimmbare Gitarre mit verstellbaren Bünden von  Walter J. Vogt haben sich nicht durchgesetzt.

„Stimmt“ eine Gitarre nicht, kann häufig ein Gitarrenbauer durch Arbeiten an Sattel und Stegeinlage (60 – 80 €) die Intonation verbessern. Das Problem G-Saite lässt sich meist durch Verwendung einer Karbon G-Saite lösen. Sind bei einer nicht allzu teuren Gitarre die tiefen Töne auf der E und A Saite in den höheren Lagen zu hoch (in den niederen Lagen aber in Ordnung), kann man versuchen mit einer Feile die Vorderseite der Stegeinlage etwa 1,5 mm abzufeilen wodurch sich die Saitenlänge erhöht. Meist ist der Steg bei Gitarren nur in die Nut eingelegt und klemmt nur wenig. Bei alten Gitarren ist die Stegeinlage häufig noch mit Knochenleim geleimt. Erwärmt man die Stegeinlage z.B. mit einem Föhn auf 50 bis 60 Grad Celsius (evt. Decke mit Karton abdecken und vor Wärme schützen), dann kann man die Stegeinlage ohne Gewalt problemlos heraus nehmen. Falls das Abfeilen nichts bringt, dreht man die Stegeinlage einfach um und hat dann wieder die ursprünliche Saitenlänge. Vorher sollte man aber prüfen ob die Stegeinlage eine asymmetrische Form hat. Man kann das auch mit einer billigen Stegeinlage ausprobieren, die in in jedem besseren Musikgeschäft, das Gitarren verkauft, gibt. Eine geleimte Stegeinlage sollte man aber unbedingt wieder mit Knochenleim einleimen, dann kann notfalls noch ein Gitarrenbauer rettend eingreifen.

Häufig spielen Solisten ihre Gitarre mit höherer Saitenlage um eine höhere Lautstärke im Konzertsaal zu erreichen. Für viele Amateure ist die Saitenlage aber dann anstrengend. Für meine Meistergitarre hat der Gitarrenbaumeister Frank-Peter Dietrich zwei Stege mit verschiedener Höhe angefertigt. Ich spiele mit dem niedrigeren „Faulenzer“ Steg.

Bevor man Korrekturen am Steg vornimmt sollte man aber überprüfen, ob nicht der Sattel der Gitarre die Ursache des Problems ist. Hierfür stimmt man die Gitarre mit gegriffenem Ton auf dem ersten Bund mit einem elektronischen Stimmgerät und prüft dann die Töne auf den höheren Bünden. Stimmen diese, so ist das Anzeichen für ein Problem des Sattels. Das zeigt sich meist dadurch, dass nach dem exakten Stimmen im 1. Bund die Leersaite zu tief ist. Dann muss am Sattel korrigieren z.B. mit der Methode von Konrad Schwingenstein. Eventuell hat die Saite aber auch einen zu hohen Abstand vom Griffbrett. Vorsicht aber beim Nachfeilen der Nut – wegfeilen kann man immer – zufeilen ist schwierig. Ist der Sattel zu niedrig, klirren die Leersaiten bei starkem Anschlag. Kann man den Sattel leicht herausnehmen, dann kann man ein Stückchen konsich verlaufendes Hartholz unter den Sattel klemmen. Hierfür eignen sich besonders gut Klarinettenblätter, die gibt’s im Musikgeschäft.

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4 Antworten zu “Saitenrechner für Gitarre, Lauten und andere Saiteninstrumente

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