Augen hören mit

Bei einem Duo Konzert mit Geige und Gitarre bemerkte eine ältere Dame: „die neue Gitarre stört mich“. Dabei war die Gitarre des Solisten eine sehr schöne Dammann Gitarre mit leicht getönter Decke, die wirklich nicht allzu neu wirkte. Mit der Geige hatte die Dame offensictlich kein Problem. Die meisten Geiger spielen sowieso ein altes Instrument – aber auch eine neue Geige sieht genauso aus, wie eine alte Geige. Irgendwie hatte die Dame aber das Gefühl, dass die Gitarre nicht richtig zur Musik von Giuliani passte. In der Tat waren damals die Gitarren kleiner und hatten ein helleres Timbre. Beim Klavier wird aber allgemein akzeptiert, dass man Werke von Bach, Mozart, usw auf modernen Konzertflügeln spielt, die mit den Instrumenten zur Zeit der Komponisten wohl nur durch die Tasten Ähnlichkeit haben.

Viele Gitarristen haben aber Probleme mit dem Bühnenauftritt. Das beginnt schon mit der Haltung der Gitarre. Bei der klassischen Segovia Haltung (Beispiel Manuel Barrueco) mit Fussbank sitzt der Gitarrist ziemlich angestrengt auf der Bühne. Schaut er dann beim Spielen, wie Barrueco auch noch auf seine linke Hand, wirkt das Spiel sehr introvertiert. Ganz anders Cello Spieler, die fast nie auf ihre linke Hand schauen weil sie sich ja auch nicht an Bünden orientieren. Pablo Casals spielt so locker, dass er noch nebenbei eine Zigarre rauchen kann. Beim Los Angeles Guitar Quartett LAGQ, kann man vier unterschiedliche Spielhaltungen sehen. Die bequemste Position hat wohl John Dearman, der beide Fußsohlen auf dem Boden hat und die Gitarre mit einem Kissen (ähnlich wie Pavel Steidl) auf die richtige Höhe bringt (2. von rechts auf dem Video). William Kannengießer (rechts) spielt mit Fußbank und hält die Gitarre relativ steil, fast wie ein Cello. Damit muss er keinen Buckel machen, wenn er in den hohen Lagen dann doch mal seine Position prüfen muss.

Diese Haltung scheint inzwischen von vielen Solisten favorisiert zu werden. Bei Matteo Mela sieht man die Vorteile dieser Haltung ganz deutlich.  Das sieht ähnlich aus wie bei einem Cellisten. Diese steile Position eignet sich übrigens auch sehr gut für die kleinere, romantische Gitarre, die in der klassischen Position mit Fußbank in sehr ungünstiger Position ist.

Bei der steilen Haltung der Gitarre kann man relativ leicht zwischen der klassischen, spanischen  Gitarre und einer kleineren, romantischen Gitarre (ähnlich wie Pavel Steidl) wechseln und dem Publikum bei romantischen Stücken sowohl eine angemessene Klangfarbe als auch ein historisch Bild bieten. Das bringt etwas Abwechslung in die meist doch recht eintönige Programme der Gitarristen. Da muss es nicht unbedingt eine Original Gitarre von Stradivari oder Guadagnini sein, mit deren Instrumenten sich die Streichersolisten gerne schmücken.  Moderne Nachbauten der historischen Gitarren sind keinesfalls zu leise für typische Kammermusiksäle. Die alten Meister konnten auch ohne Carbon und Sandwichdecken wunderbare Instrumente bauen.

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