Spielhaltung Romantische Gitarre

Die „Klassische“ Haltung der Gitarre, auf dem linken Oberschenkel und Fußbänkchen damit die Gitarrre auf die richtige Höhe kommt, ist eigentlich sehr unbequem und führt bei Profimusikern oft zu Haltungsschäden. Etwas besser wird es wenn man eine Gitarrenstütze verwendet und gerade sitzt. Das ist die heute bei den Profigitarristen wohl die häufigste Sitzposition. Ich persönlich finde diese Position nicht besonders gut, da eine gute Stütze ein ziemlich großes unhandliches Teil ist und die üblichen Saugnäpfe auf der Zarge meiner Gitarre mit Schellack Politur nie richtig halten. Eigentlich hält nur eine Stütze, die man mit einer Klemme an der Gitarre festschraubt. Das tut der Gitarre und dem Ton sicher nicht besonders gut, obwohl man die Schulterstützen und Kinnhalter bei den Geigen ähnlich befestigt.

Spielt man eine „kleine“ historische Gitarre (wie z.B. mein Stauffer-Nachbau (Konstruktionsdetails) von 1829 (Dietrich, Erlbach)) so braucht man eine sehr unförmige Stütze, um die Gitarre in einigermaßen angenehme Position zu bringen.  Offensichtlich wurden die kleinen, Romantischen Gitarren häufig in einer Haltung gespielt, die der Haltung einer Gambe oder eines Cellos mehr ähnelt als der heute üblichen Haltung der Gitarre. Die im Barock häufig verwendete Gitarra Battente wurde dagegen „geschlagen“ und in ähnlicher Haltung wie die moderne E-Gitarre gespielt.

Der Spieler sitzt (oder steht) gerade, die Gitarre wird mit der unteren Zarge auf den rechten Oberschenkel aufgestellt und sehr steil gehalten. Das erleichtert das Spiel vor allem in den oberen Lagen ungemein. Man muss die rechte Hand auch nicht abkippen um die Saiten im richtigen Winkel anzuschlagen. Wer das einmal ausprobiert wird begeistert sein. Man sieht diese Art des Spiels mittlerweile bei vielen Solisten z.B.  Franz Halasz, Matteo Mela,  u.a. Irgenwo habe ich sogar einen Gitarristen auf einem Video gesehen, der eine Gitarre mit einem Cello Sporn spielte ganz ähnlich wie auf einem Violone. Mit der gleichen Haltung kann man auch eine Laute spielen. Lautenspieler verwenden auch gerne ein Lautenband, das an einem Knopf am unteren Ende des Korpus (wie bei einer Folk-Gitarre) befestigt wird und auf das sich der Lautenspieler setzt, um die Laute zu fixieren. Man kann das Lautenband aber auch benutzen um die Laute im Stehen oder im Gehen zu spielen. Im Barock (und heute im Barockorchester) spielten die Musiker und nicht nur die Solisten meist im Stehen.  Das macht z.B. Paul O’Dette gerne zu Beginn seiner Konzerte. Leider ist dieser sehr sinnvolle Knopf für die Befestigung eines Bandes bei hochwertigen Gitarren aus der Mode gekommen. Man kann sich aber einen solchen Knopf beim Gitarrenbauer stilvoll mit einem Konus anbringen lassen oder ganz prosaisch einen Knopf anschrauben. Ich habe am Knopf meiner Romantikgitarre einen Gitarrengurt aus weichem Wildleder angebracht. Damit kann man die Gitarre mit dem gleichen Trick wie bei der Laute „felsenfest“ positionieren und völlig entspannt spielen ohne sich mit klobigen Stützen, die auch optisch nicht zu einer romatischen Gitarre passen, herumärgern zu müssen. Das abwechselnde Spiel auf Laute und Gitarre wird damit wesentlich erleichtert, da man bei beiden Instrumenten eine ähnliche Spielposition hat.

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5 Antworten zu “Spielhaltung Romantische Gitarre

  1. Was Sie hier als lautenband beschreiben, ist wohl eher ein Gitarrenband. Ein Lautenband hängt vom Kopf der Gitarre, für reiner Dekoration, und wurde von verschiedene Orte oder Wandervogel Sammlungen gesammelt. Sehen aus wie die hier: http://www.dhm.de/datenbank/dhm.php?seite=6&fld_3=Lautenband&exakt_fld_6=3&suchen=Suchen

    • Es gab wohl zwei verschiedene Arten von Bändern an der Laute. Das Band zum Umhängen bei Eichendorff: „Ich reise übers grüne Land,
      Der Winter ist vergangen,
      Hab um den Hals ein gülden Band,
      Daran die Laute hangen.“ und die Zierbänder am Kopf. Diese Bänder sieht man bereits auf alten Darstellungen von Lauten. Die Jugendbewegung hat diese Historie wieder ausgegraben. Die Wandervogellaute ist eher eine Cister und wurde gern mit „Lautenbändern“ geschmückt – bevorzugt von weiblichen Fans bestickt. Eine schöne Idee

  2. Tolle Info, vielen Dank dafür!

  3. Das ist eigentlich egal, welche Spielhaltung! Ganz wichtig ist, dass Haltung bequem soll zu sein: im Stehen, oder Sitzposition. Aber vielen Dank für interessantes Info.

  4. Pingback: Klassische Gitarre spielen im Stehen und Gehen | Böblingen Gitarre Blog

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