Gitarrenlaute als Cister verwenden

Git-Laute-Profil2Die Gitarrenlaute hat weder die Form einer Gitarre noch die Form einer Laute. Es ist eigentlich eine Cister mit sechs Saiten (6 chörig). Bespannt man eine Gitarrenlaute mit den üblichen Nylonsaiten für Gitarre, klingt das Instrument nicht wesentlich anders als eine billige Gitarre. Es liegt nahe, das Instrument mit Metallsaiten mit der Stimmung einer Cister auszurüsten. Allerdings muss man vorher die Gitarrenlaute umbauen, damit die Saiten niedrig liegen. Dann erhält man einen ganz anderen Klang (  Cister/Gitarrenlaute Hörprobe ). So hört es sich an wenn ein Meister wie Jacob Heringman auf einer guten Cister spielt: A Horne pype.

Typisch für die Cister ist, dass es ähnlich wie bei Lauten in der Renaissance viele unterschiedliche Stimmungen gab, Je nachdem welche Sachen man spielen möchte, muss man eine andere Stimmung wählen, da die Stücke in Tabulatur notiert sind. Ich habe die Stimmung von Sixtus Kargel für sechschörige Laute gewählt:  h- G – D -g -d‘-e‘  . Man sollte dafür einen Satz Stahlsaiten verwenden, die möglichst leicht sind (Light Gauge), damit die Saitenspannung möglichst gering ist. Das tut dem Instrument gut, erleichtert das Spielen auf den Stahlsaiten und man erhält damit einen guten „Cister“ Klang. Als d‘ -Saite (2.) verwende ich die e‘ Saite (1st-010w) aus dem Satz. Als e“-Saite verwende ich eine g Oktav Saite einer zwölfsaitigen Gitarre -009w ). Die h‘- Saite aus dem Satz wird für die 6. Saite verwendet. Die A-Saite (5.) wird auf G heruntergestimmt.

Die vierchörige Cister wurde meist mit einem Plektrum ähnlich wie Mandoline oder heute die E-Gitarre gespielt. Das Plektrum war früher ziemlich groß und glich eher einem Schuhlöffel. Der Schweizer Clown Dimitri zeigt, dass selbst ein so großes Teil im Schalloch verloren gehen kann (Dimitri mit seiner Cister) und man auch mit einem Tischtennisball Cister spielen kann.. Die sechschörige Cister wurde ähnlich wie auf der Laute gezupft und geschlagen. Die Technik ist ähnlich wie beim Fingerpicking .

Will man eine größere Bandbreite von Stücken spielen, sollte man eine vielseitig verwendbare „offene“ Stimmung wählen. Sehr vielseitig ist das Drop D Tuning typisch für Keith Richards (Rolling Stones – neue CD Crosseyed). Diese Stimmung wird aber auch in der Folk Musik u.a. in Hawai (Slack Guitar Lesson) viel verwendet. Der Trick ist immer, dass die Gitarre wie eine Cister in einem offenen Akkord (herunter) gestimmt wird und man dadurch mit wenig Aufwand einen „riesigen“ Klang bekommt. Für Drop D Tuning: D-G-d-g-h’/b‘-d‘ muss man keine Saiten wechseln. Einige Saiten werden nur tiefer gestimmt. So geht’s:  Einführung Video Drop D Tuning

Wer sich mit den verschiedenen Stimmungen schwer tut kann das TAB Programm des Notensatzprogramms FINALE benutzen um konventionelle Notation in TABs für unterschiedlich gestimmte Instrumente umzuwandeln (oder alte Tabulaturen in Notenschrift darzustellen.

Mit dieser Stimmung kann man Stücke von der Renaissance bis zur Moderne spielen. Hat man keine Gitarrenlaute zur Hand kann man auch auf eine einfache „klassische“ Gitarre Cister Saiten aufziehen. Der Sound ist aber dann deutlich anders als auf der Lautengitarre oder einer original Cister. Ausprobieren und viel Spass beim historischen Gitarrespiel.

Engel-Cister_LeMans

Darstellung eines Cister spielenden Engels in der Engelskapelle der Kathedrale von Le Mans (spätes 15. Jahrhundert).

PS Donald Sauter gibt eine einfache Anleitung für den Umbau einer klassischen Gitarre zu einer Barock Gitarre mit Doppelsaiten!
A Quasi Baroque Guitar

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Eine Antwort zu “Gitarrenlaute als Cister verwenden

  1. Pingback: Stahlsaiten für Klassische Gitarre | Böblingen Gitarre Blog

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