Aus für die Gitarristen an der Musikhochschule Trossingen?

OS-Trossingen

Ensemble Open Source, Trossingen

Der Rechnungshof Baden-Württemberg hat moniert, dass in Baden-Württemberg zu viele Musiker ausgebildet werden. Die Ausbildung der Musikstudenten ist mit 76 000 € für einen Batchelor Studenten auch sehr teuer – nur die Medizin Studenten kosten noch mehr! Ausserdem findet der Rechnungshof, dass auch zu viele ausländische Studenten umsonst in Baden-Württemberg studieren. Die Hochschulen wollen aber besonders die ausländischen Studentan anziehen, weil sie meist die besten Studenten sind und damit wichtig für das Niveau der Hochschule.  Die Musikhochschule Frankfurt sucht z.B. gezielt hochqualifizierte ausländische Studenten.

Nun wird in Baden-Württemberg und anderswo in der Bundesrepublik Vieles studiert was noch weniger Berufschancen bietet als die Ausbildung als Musiker. Man hoffte aber, dass man mit Kürzungen bei den Kulturausgaben keine Proteste aus der Industrie auslöst. Das war auch durchaus richtig – man hatte aber offensichtlich nicht mit den massiven Protesten aus der Kulturszene gerechnet. Als Teil dieser Protestaktion spielte das Gitarrenensemble Open Source der Musikhochschule  Trossingen in Böblingen am 6. September 2013 im Rahmen der Veranstaltungsreihe Sommer am See in Böblingen. Das Ensemble wird gebildet von Studenten des Fachs Gitarre. Naturgemäß wechseln da die Mitglieder über die Jahre. Die Studenten haben erkannt, dass sie ihre Hochschule verlassen und Werbung für sich machen müssen, wenn sie bei den geplanten Sparmaßnahmen nicht unter die Räder geraten wollen.

Open Source (Homepage) spielte einen Querschnitt durch die Gitarrenmusik auf durchweg hohem Niveau. Allerdings konnten einem die Musiker leid tun. Die reiche Stadt Böblingen hat für solche und andere musikalische Veranstaltungen keine vernünftigen Raum mit 100 bis 200 Plätzen. Die Gitarristen mussten in einer Art vornehmen Festzelt, die ehemalige TÜV Halle, spielen. Der Spielort ist mehr als dürftig gegen den Verkehrslärm abgeschottet. Zusätzlich ging noch ein Gewitter nieder sodaß man trotz Verstärkung die Musik nur teilweise erlauschen konnte. Für feine Gitarrenmusik ist eine solche Umgebung aber Gift.

Das Böblinger Kulturamt hatte für die Veranstaltung nur in der Tageszeitung geworben. Diese wird aber heute nur noch von „Weißkopfadlern“ gelesen. Das Publikum bestand deshalb nur aus einem kleinen Kreis älterer Zuhörer, die zum Teil verzweifelt an ihren Hörgeräten drehten. Das Böblinger Kulturamt hat keinerlei Konzepte wie sie z.B. die Schüler der Musikschule oder ein jüngeres Publikum für seine Musikveranstaltungen erreichen könnte. In anderen Städten sieht es ähnlich aus. Meist hat das Kulturamt Beziehungen zu irgendwelchen Musikagenturen, die ein bunt gemischtes Programm liefern können. Da muss das Kulturamt nur noch nicken.

Die Trossinger Gitarristen haben bei der Veranstaltung gelernt, dass sie sich in Zukunft wohl selbst vermehrt um ihre Vermartktung kümmern müssen, wenn sie mit ihrer Musik ihren Lebensunterhalt verdienen wollen. Das OpenSource Ensemble ist ein wesentlicher Teil der Ausbildung für Gitarristen in Trossingen, die erkannt hat, dass nicht lle Gitarristen als Solisten oder Musiklehrer eine Stelle finden werden. Die Gitarristen werden auch als Leiter von reinen oder gemischten Gitarrenensembles ausgebildet. Damit leistet die Musikhochschule Trossingen einen wichtigen Beitrag zur Musik in der Fläche des Landes. Speziell in Baden-Württemberg „stirbt“ das Musizieren in Ensembles und Vereinen nach der Musikschule. Obwohl sehr viele Laienmusiker in den Musikschulen ausgebildet werden, gibt es z.B. ganz wenige Gitarrenensembles. Das liegt zum größten Teil am Mangel an pädagogisch und organisatorisch gut ausgebildeten Leitern für Ensembles. Einen wesentlichen Anteil am Rückgang der Laienmusik haben aber auch das Land und die Gemeinden, die lieber Großevents als ihre musizierenden Bürger fördern.

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