Konzert Kritik: Katona Twins in Bebenhausen

Katona Twins DiskDas Konzert fand im Sommerrefektorium des Klosters Bebenhausen – ein etwa 240 qm goßer Raum mit einer hohen gotischen Spitzbogendecke, in den etwa 350 Zuschauer passen. Man sollte eigentlich erwarten, daß da zwei Gitarren ein Problem haben, diesen Raum zu füllen. Die erste Überraschung war, dass die Katona Twins, den Raum mit ihren relativ kleinen Gitarren locker füllen konnten. Man hatte den Eindruck, dass ein Verstärker eingeschaltet war. Die Katona Twins spielten auf zwei „Smallman Type“ Gitarren, mit denen sowohl langsame Melodien, laute und leise Stellen, Tonvariationen und perkussive Elemente fast mühelos mit stupender Technik präsentiert wurden. Das Duo spielte wie die Gitarristen der Romantik im Stehen, sodaß man selbst in den hinteren Sitzreihen die Gitarristen gut sehen und vor allem sehr gut hören konnte.

Das Programm mit spätromantischer spanischer Musik von Manuel de Falla, Isaac Albeniz, Joaquin Rodrigo und Enrique Granados war ideal für einen schönen Sommerabend in romantischer Umgebung. Leider war es sehr kalt (die Winterreise hätte als Motto auch gepaßt!). Das merkte man auch beim ersten Stück, bei dem sich das Duo erst einmal warm spielen musste. Ab dann aber hatte das Publikum tatsächlich das Gefühl in Spanien zu sein. Ich habe in letzter Zeit kein Duo gehört, dass diese Musik so überzeugend und lebendig spielte. Technische Probleme scheint es für das Duo nicht zu geben, sodaß sie sich voll auf die Musik konzentrieren können.

Zwischen die spanischen Stücke wurde die Chaconne G-Dur HWV 435 von Georg Friedrich Händel gespielt, wohl eine Reverenz an den Musikgeschmack der typischen „Weisskopfadler“ Zuhörer. Das Stück wurde in einer eigenen Bearbeitung mit stupender Technik gespielt aber in einem veralteten „romantischen“ Stil. Das wird heute mit historischer Aufführungspraxis anders gestaltet. Hier hätte man sich auch Gitarren mit einem helleren, klaren Ton gewünscht. Das Klangbild war eher „Gitarrenorgel“.  Hier hätten im Programm einige alte spanische Gitarrenstücke besser gepasst, um die Nähe und die Herkunft der romantischen Stücke zu verdeutlichen.

Als „Rausschmeißer“ spielten die Katona Twins die Tango Suite von Astor Piazolla – tänzerisch und hinreißend. Frenetischer Applaus und zwei schöne Zugaben als Abschluss eines überragenden Konzerts.

PS Es lohnt sich gute handgemachte Musik als Abwechslung zu den akustischen Niederungen von Youtube auf dem Handy und der Künste der CD Toningenieure zu hören.

YouTube: Katona Twins – Scarlatti mit Orchester
Die Altmeister: Duo Julian Bream & John Williams

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s