Gitarre – Problemzone Steg

Standard Steg

Standard Steg

Der Steg der Gitarre ist ein Schlüsselelement für die Spielbarkeit und den Klang einer Gitarre (Einführung der Funktion von Achim-Peter Gropius) Viele Gitarristen quälen sich mit ihrer Gitarre nur weil der Steg nicht korrekt ist. Es lohnt sich deshalb auch eine Schülergitarre bei einem Gitarrenbauer zu kaufen, der die Auswahl der Saiten und die Einstellung des Steges auf den Spieler abstimmt. Für meine vom Gitarrenbauer handgefertigten Gitarren habe ich mir jeweils zwei Stegeinlagen mit unterschiedlicher Höhe vom Gitarrenbauer anfertigen lassen (beim Kauf gleich mitbestellen!). Die höhere Einlage verwende ich eigentlich nur wenn im Ensemblespiel eine größere Lautstärke benötigt wird (bei Einlagen aus Elfenbein ist das allerdings ein kleiner Luxus).

Gitarren werden im Laden meist mit harten Saiten und relativ hohem Steg angeboten. Die meisten Gitarren sind dann lauter. Für Gitarrenanfänger und Hobbyspieler ist es aber viel wichtiger, dass die Gitarre leicht spielbar ist. Die Saiten sollten deshalb möglichst niedrig liegen (die Flamenco Spieler schätzen das) und keine zu hohe Spannung haben (Medium Tension). Für den Klang ist wichtig, dass speziell die umsponnenen Saiten regelmäßig z.B. alle drei Monate gewechselt werden (Profis wechseln jede Woche!).

Viele Gitarristen hassen aber das Aufziehen neuer Saiten und so sieht man oft auch bei teuren Gitarren uralte Saiten. Selbst teure Gitarren klingen dann wie frisch bei ALDI gekauft. Es lohnt sich, das Wechseln der Saiten richtig zu lernen und auch zu üben. Der Saitenwechsel sollte eigentlich nicht länger als 15 Minuten dauern.

Gitarre-Steg-SchutzBeim Hantieren mit den Saiten am Steg wird häufig die Decke zerkratzt. Bei alten Gitarren sieht man oft richtige Riefen in der Decke. Ich habe in meinem Gitarrenkoffer ein zugeschnittenes Stück Pappe zum Abdecken der Decke beim Saitenwechsel.

Im Web gibt es eine Vielzahl von Anleitungen wie man Saiten aufzieht. Georg Norberg zeigt in seinem Video eine einfache praktikable Methode, die ähnlich von den Lautenisten angewendet wurde, die ja besonders viele Saiten aufziehen mussten. Häufig werden zu lange Saiten empfohlen (z.B. bei der Anleitung von Thomann). Da muss man lange an den Wirbeln kurbeln bis die Saite gespannt ist. Häufig sieht man ca. 10 Windungen auf dem Wirbel, was völlig unnötig ist. Spannt man die Saite vor dem Kurbeln so, dass sie locker auf dem Griffbrett liegt, so ergeben sich etwa 3 Windungen am Wirbel. Das ist für die Stabilität der Stimmung völlig ausreichend. Am Steg kann man Zeit sparen wenn man die umsponnenen Saiten nicht unnötig verdrillt. Im Web findet man Videos mit zum Teil haarsträubenden Konstruktionen für die Befestigung der Saiten am Steg.

Saiten Flechtwerk

Saiten Flechtwerk

Bei den Diskant-Nylonsaiten macht das Verdrillen wie oben gezeigt durchaus Sinn (wenn nicht mit Feuerzeug hantieren will). Bei den umsponnenen Saiten ist es umständlich und führt dazu, dass die Saiten länger brauchen bis sie stabil sind.

Saiten am Steg

So macht’s der Gitarrenbauer

Ein Standard Steg vom Gitarrenbauer eingepasst und bezogen. Die glatten Saiten werden mit einem Knoten am Saitenende gesichert. Die Stegeinlage ist am Bass E6 etwa 1 mm höher als bei E1. G3 ist eine Karbon Saite. Die Saiten lassen sich am Steg einfacher befesigen wenn die Saite zunächst etwas länger als notwendig ist. Der Knoten bei den Diskantsaiten sollte z.B. mindestens drei cm vom Saitenende ebenso wie der Klemmpunkt der Baßsaiten. entfernt sein. Nach dem Spannen der Saiten schneidet man die überstehenden Enden mit einem guten Saitenschneider einfach ab. Auf dem Photo sieht man auch einen kleinen Fehler des Gitarrenbauers. Das Ende der D-Saite liegt auf der Decke auf! Das kann Kratzer auf der Decke und Störgeräusche beim Spielen verursachen! (Die Pappe beim Aufziehen der Saite schützt die Decke auh vor dem Saitenschneider.)

Auch beim korrekt besaiteten 12 Loch Steg sieht man den Knoten zur Sicherung der glatten Saiten. Auch hier dürfen die Saiten zunächst etwas länger sein. Die Saitenenden wurden sehr akkurat abgeschnitten.

Gitarre Steg 12Loch

12 Loch Steg

 

 

 

 

 

 

 

Bei den T0p Modellen wie  z.B. Hanika Grand Concert u.a. werden gerne 12 Loch Stege verwendet. Das vereinfacht das Aufziehen der Saiten und erzeugt einen kontrollierten Druck auf den Steg. Das ist wichtig wenn man unter dem Steg einen Tonabnehmer einbauen will. Man muss dafür jeweils ein zweites Loch in einen Standard Steg bohren – das sollte aber ein Fachmann machen!

Eine neue Möglichkeit die Saiten am Steg zu befestigen sind String Ties (Video). Die Saiten werden dabei an kleinen Klötzchen befestigt. Ein Standard Steg verhält sich damit ähnlich wie ein 12 Loch Steg. Ein Satz String Ties kostet etwa 20 €, Das erleichtert das Aufziehen neuer Saiten besonders für Kinder. Profis können damit ihre Saiten schnell wechseln.

Der Steg spielt auch eine wichtige Rolle bei der Intonation der Gitarre (der Gitarrist stimmt immer – die Gitarre nie!) Meist erhält man eine vernünftige Intonation wenn die Stegeinlage am Bass ein bis zwei Millimeter versetzt ist. Problematisch ist dabei meist die G-Saite, die in den hohen Lagen oft ziemlich verstimmt ist. Man sollte beim Kauf einer Gitarre mit dem Stimmgerät die tiefe E-Saite,  die G-Saite und die hohe e-Saite an den Bünden 7, 9, 12 und 15 messen! Die Töne müssen mit geringem Druck dicht hinter dem Steg gegriffen werden. Man sollte ausprobieren wie Lage und Druck des Fingers die Tonhöhe verändern. Kleinere Abweichungen in der Intonation sind dabei nicht tragisch, da die meisten Spieler in den hohen Lagen sowieso nicht exakt greifen. Falls die Intonation schlecht ist, kann man leichtere Saiten (Medium) und/oder ein Karbon G-Saite verwenden. Wenn das nicht funktioniert hilft nur der Gang zum Gitarrenbauer.

Für Profis baut z.B. Urs Langenbacher in Füssen einen „Mercedes Steg“ bei dem man die Saiten individuell korrigieren kann. Jeweils zwei Saiten liegen auf einer verschiebbaren Stegeinlage auf – damit bleibt die Stegeinlage auch am Platz wenn eine Saite reißt oder man neue Saiten aufzieht. Damit kann man die Saiten wechseln ohne Kompromisse bei der Intonation machen zu müssen. Der Steg ist durch „Spoiler“ am Rand stabilisiert. Durch die Auskehlung in der Mitte wird der Steg leichter und kann an die Decke angepasst werden.

Gitarrensteg Urs Langenbacher

Die meisten Gitarristen werden sich nicht mit diesen „Luxus Problemen“ sondern mehr mit typischen Steg Problemen herumschlagen müssen wie z.B.

  • Steg ist zu hoch. Die Saiten sind am 12. Bund mehr als 3 (1. Saite) – 4 mm (6.Saite) von der Oberseite der Bünde entfernt. Bei älteren Gitarren ist oft der Hals der Gitarre verzogen, da hilft es nichts wenn man den Steg ändert. Da sollte man sich von einem Experten beraten lassen ob sich eine Reparatur lohnt. Neuere Gitarren sind baulich meist OK aber die Stegeinlage ist zu hoch.  Es wird nicht empfohlen, die Stegeinlage selbst niedriger (schmäler) zu machen. Das Material, das entfernt wurde, wächst ja nicht nach! Ein niedrigere Stegeinlage  kann von Gitarrenfachgeschäft, von einem Gitarrenbauer oder von einem Mechaniker, der mit Säge und Feile umgehen kann, angefertigt werden. Man kauft hierfür eine (besser gleich zwei) Stegeinlage aus Knochen (ca 6 €). Bei einer billigen Gitarre kann man es selbst versuchen. Man sollte aber die Rohform mit einer Japansäge zurechtsägen. Kaum ein Anfänger schafft es mit einer Feile eine Fläche plan zu feilen.
  • Saiten reißen häufig am Steg (oft die D-Saite). Ursache ist meist ein zu steiler Saitenwinkel am Steg und eine harte Kante an der Steg Einlage (oft aus Plastik). Meist hilft hier bereits das Polieren der Stegeinlage mit einem feinen Schmirgelpapier. Zusätzlich kann man noch etwas Seife auf die Stegeinlage reiben. Eventuell muss man auch die Saitenmarke wechseln.
  • Saiten quitschen beim Stimmen. Ursache ist meist eine Stegeinlage aus Plastik mit harter Kante. Abhilfe siehe oben. Das Quietschen kann aber auch am Sattel entstehen. Eventuell sollte man die Stegeinlage gegen eine Einlage aus Knochen austauschen. Dafür braucht es aber einiges handwerkliches Geschick oder einen Fachmann im Musikgeschäft.
  • Saiten brauchen sehr lange bis sie den Ton halten. Das liegt meist am zu weichen Aufziehen der Saiten. Neue Saiten sollte man nach dem Aufziehen etwa eine Woche lang vor und nach dem Stimmen mehrmals kräftig vom Griffbrett wegziehen und dehnen. Mache Stege haben an der Rückseite eine Hohlkehle – dann werden die Saitenenden nicht fest eingeklemmt. Da hilft nur Verdrillen der Saiten. Manche Saiten sind in dieser Beziehung einfach schlecht – man sollte sich im Fachgeschäft oder von anderen Gitarristen beraten lassen.
  • E-Saite berührt bei größerer Lautstärke das Griffbrett (Schnarren, Klirren). Das kann an einem verzogenen Gitarrenhals liegen oder wenn bei einer Gitarre, die für harte Saiten gebaut wurde, sehr weiche Saiten aufgezogen werden. Bei kommt bei meiner spanischen Duran Gitarre kann bei Medium Saiten die E-Saite klirren; wenn ich für das Ensemble die E-Saite auf C herunter stimmen muss (Cello Stimmung). Optimal wäre natürlich wenn man eine neue Stegeinlage für diesen Fall anfertigen würde. Man kann aber auch die Stegeinlage herausnehmen, die bei guten Gitarren nur lose mit minimalem Druck in die Nut eingelegt ist. Danach legt man an der Baßseite einen Keil von 1 – 2 mm Höhe und 10 mm Länge ein und steckt die Stegeinlage wieder in die Nut. Ich schneide mir einen solchen Keil aus von einem alten Klarinettenblatt (gibt’s im Musikgeschäft oder bei der Blasmusik) zu. Damit wird die Saitenlage der Baßsaiten etwas höher und die Saite kann mit größerer Amplitude schwingen. Falls man alle Saiten anheben will, kann man auch Kunststoffstreifen mit z.B. 1 mm Dicke in die Nut einlegen. Ich verwende dazu eine Hartplastikfolie, die 0.5 mm dick ist und für Nagelreparaturen verwendet wird. Bei einer geschlossenen Nut sollte man die Einlegestreifen etwa 2 mm kürzer machen als die Stegeinlage. Sonst wird es schwierig, die Streifen wieder zu entfernen.  Kleben sollte man vermeiden – allenfalls sollte man Hasenleim verwenden wie die Geigenbauer, damit man die Teile mit Wärme (Föhn) auch wieder trennen kann.
  • Saitenlage der gespielten Gitarren angleichen. Ich spiele beispielsweise auf mehreren Instrumenten: Klassische Granada Gitarre von Antonio Duran, Romantische Gitarre (nach Staufer) von Frank-Peter Dietrich, Spanische Cutaway Gitarre mit eingebautem Tonabnehmer (Rodriguez) und eine deutsche Erzlaute (Penzel). Der Wechsel von einem Instrument zu einem anderen wird einfacher wenn alle Instrumente eine ähnliche Saitenlage haben.
  • Steg „arbeitet“ bei neuer Meistergitarre. Bei sehr leicht gebauten Meistergitarren kann es ein Jahr dauern bis sich die Hölzer und die Konstruktion stabilisieren. In der Zeit sollte man mit seiner neuen Gitarre sehr sorgfältig umgehen und auf Temperatur and Luftfeuchtigkeit achten. Kenner haben deshalb früher nur Gitarren aus Granada gekauft, die im Winter bei niedriger Luftfeuchtigkeit gebaut wurden.  Der Gitarrenbauer muss eventuell nach dem „Setzen“ der neuen Gitarre den Steg nachjustieren z.B. durch Nachbearbeitung der Stegeinlage.
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