Besuch im Lautenmuseum Füssen

Füssen-Schloss

Füssen Hohes Schloss

In Füssen findet man ein kleines aber feines Museum zur Geschichte des Lautenbaus in der Region. Im Sommer kann man einen Zwischenstopp bei der Fahrt in den Süden einlegen. Im Winter eignet sich Füssen für einen romantischen  Wochenendausflug.

 

Im 16. Jahrhundert war Füssen das Zentrum des Geigen- und Lautenbaus in Europa. Lauten und Bauteile für Lauten wurden hier in großem Maßstab gebaut und exportiert. Es begann mit einem Transfer von Technologie durch sephardische Juden, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden.

Füssen Lautenmseum

Füssen Lautenmseum

Ein Mitglied der Familie Wolf (Lopez -> Lupus) erwarb 1493 das Bürgerrecht als Lautenmacher in Füssen. Da er hauptsächlich für den Export arbeitete, war er kein Konkurrent für die örtlichen Handwerker. In der Region wuchs das Material für den Lautenbau: Eibe, Fichte, Ahorn und Buchsbaum in hervorragender Qualität. Das Museum legt den Wert auf die Herstellung der Lauteninstrumente und ihre Bedeutung für die Region Füssen.

Gitarren 17./18.Jahrhindert

Gitarren 17./18.Jahrhindert

Saiteninstrumente aus den verschiedenen Epochen werden exemplarisch gezeigt.

Laute Mitte 16. Jahrhundert

Laute Mitte 16. Jahrhundert

Die älteste Laute im Museum stammt von Wolfgang Wolf aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Hier sieht man auch deutlich die Probleme der Lauten. Die Decke musste extrem leicht gebaut werden und hatte damit keine lange Lebensdauer. Zum Transport z.B. zu den Fuggers nach Augsburg (siehe auch Fugger und Welser Museum Augsburg) steckte man die Lauten in mit Stroh ausgepolsterte Weinfässer. Die hohen Transportkosten konnte man vermeiden indem man nur die Einzelteile der Laute herstellte und die Lauten dann vor Ort zusammenbaute.

Caspar Tiefenbrucker Denkmal

Caspar Tiefenbrucker Denkmal

Den „Just in Time“ Zusammenbau erledigten dann ausgewanderte Füssener Lautenbauer wie Edlinger in Prag oder die  Tieffenbrucker in Italien. Das zweite Problem waren die Saiten der Laute, die eine begrenzte Lebensdauer hatten und sehr teuer waren.  Ein Lautenist musste etwa 1/3 seines Salärs für Saiten aufwenden.

Der Tod spielt CisterFür das gemeine Volk spielte man auf der Cister mit Metallsaiten. Auf dem Totentanz-Fresko im Füssener Museum sieht man rechts unten einen Cisterspieler – den Tod. Die Cister, die E-Gitarre der Renaissance,  war sehr laut, wurde zum Tanz gespielt und wurde ganz offensichtlich von den Kirchenleuten nicht gerne gesehen.

Lautenmuseum Füssen - Cister

Lautenmuseum Füssen – Cister

Das Museum zeigt ein schönes Exemplar einer Cister mit Hörbeispielen.

Die ausgestellten Gitarren aus verschiedenen Epochen sind sorgfältig ausgewählt und gut erhalten. Der Bau von Lauten wird an Mustern gezeigt. Es gibt auch eine Station zur Herstellung der Saiten, die sonst in den Museen meist nicht erwähnt werden.

Nach dem Museumsbesuch sollten ernsthafte Gitarristen unbedingt in der Werkstatt des einzigen in Füssen verbliebenen Gitarren- und Lautenbauers Urs Langenbacher vorbei schauen (Anmeldung empfohlen). Eine von Urs gebaute Lautenmuschel wird im Museum ausgestellt.

Werkstatt Urs Langenbacher

Werkstatt Urs Langenbacher

Urs Langenbacher teilt sich die Werkstatt im Dachgeschoss über der kleinen Markthalle mit dem Geigenbauer Pierre Chaubert. Da kann man das Handwerk erleben. Urs ist einer der wenigen Gitarrenbauer in Deutschland, die Gitarren der „Mercedes“ Klasse nach eigenen Klangvorstellungen entwickeln und den Spielern auf den Leib schneidern. Natürlich sind solche Gitarren nicht billig (2015  > 7000 €) aber immer noch billiger als ein CO2 generierendes Automobil! Das entspricht in Kaufkraft dem Preis von 5 Gulden einer guten Laute im 16.  Jahrhundert!

Selbst wenn man das Budget für eine solch Gitarre nicht in der Tasche hat, lohnt sich ein Besuch. Die Gitarrenspieler, die sich ein solches Modell leisten, haben meist auf sehr guten Gitarren gespielt, die in Kommission verkauft werden. Auch der Kauf einer guten Schülergitarre beim Gitarrenbauer lohnt sich, da diese perfekt eingerichtet ist.

Die Gegend in und um Füssen ist auch im Winter eine Reise wert. In der Altstadt gibt es genügend urige Gasthäuser.

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Hopfensee

Meine Empfehlung ist ein Abendessen bei Sonnenuntergang im Wintergarten in der Fischerhütte am Hopfensee. Da kann man im Sommer auch schön wandern oder biken. Im Winter gibt es schöne ebene Langlaufloipen und sogar eine Eisbahn für die Schlittschuhfahrer. Abfahrern sei die am Abend beleuchtete Skipiste unterhalb Schloss Neuschwanstein empfohlen. Romantischer geht’s nicht.

Nachtleben in Füssen

Nachtleben in Füssen

Für die Jugend ist allerdings in Füssen am Abend nicht viel los. Immerhin hat sich die Jugend ein schönes Emblem einfallen lassen, das das Motiv von der Totentafel aufgreift.

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