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Hitze- und Trockenschäden bei Gitarren

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Temperatur- Feuchte-Messgerät

Gitarren – besonders die teuren – sind leicht gebaut und leiden bei Hitze, Trockenheit oder Feuchte. Gitarren sollten bei etwa 20° C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50% aufbewahrt und gespielt werden. Solche Verhältnisse findet man leider nur in Museen oder in den Räumen von Händlern, die Meistergitarren verkaufen. Temperaturen zwischen 10°C bis etwa 30°C hält eine gut gebaute Gitarre aus.

Kritisch wird es allerdings, wenn man die Gitarre im schwarzen Koffer im Sommer etwa eine Stunde in der Sonne liegen läßt. Da wird es im Innern schnell 60°C warm und der Knochenleim wird bereits weich. Die Bebalkung der Decke kann sich dann lösen – die Decke bekommt dann Wellen oder reißt. Auch der Dachboden ist kein guter Aufbewahrungsort für ältere Gitarren. Funde vom Dachboden haben meist Risse. Ist die Decke mit einem modernen Klebstoff,  z.B. Titebond verarbeitet, kommt es zu Spannungen und der Ton der Gitarre verändert sich. Beim Kauf einer teuren Meistergitarre sollte man sich erkunden wie die Decke geleimt ist.

Eine Temperatur > 60°C wird  auch im Kofferraum eines Autos erreicht, das in der prallen Sonne steht. Vorsichtige Gitarristen parken deshalb ihr Auto im Schatten und vergessen aber gern, dass die Sonne im Laufe das Tages wandert. Hohe Temperaturen können auch im Winter erreicht werden  wenn die Sonne tief steht und der schwarze Gitarrenkoffer in einer Ecke steht, wo die Sonne im Sommer nicht hinkommt. Wer seine Gitarre auf einen Heizungsschacht (häufig in Kirchen und Konzertsälen) legt, wird sich wundern, wie heiß es wird wenn der Hausmeister die Heizung einschaltet! Der Kunststoffkoffer einer Mitspielerin im Gitarrenorchester ist bei einer  solchen Gelegenheit geschmolzen. Zum Glück war die Gitarre ausnahmsweise nicht im Koffer.

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Baumscheibe mit Trockenriss

Im deutschen Klima ist in der Regel nicht die Hitze sondern die Luftfeuchtigkeit das größte Problem. In der typischen deutschen Wohnung ist es im Winter meist zu trocken. Dann treten bei der Gitarre Trockenschäden auf selbst wenn der Gitarrenbauer lang gelagerte trockene Tonhölzer verwendet hat. Die Fasern des Holzes werden bei Trockenheit dünner, das kann man schön an einer Baumscheibe sehen.

gitarre_trockenschaedenTrockenschäden treten bei der Gitarre bevorzugt an folgenden Stellen (rot markiert) auf:

  • In der Decke Riß entlang des Griffbretts (häufig)
  • Riß in der Mitte der Decke wo die zwei Hälften der Decke zusemmengeleimt sind.
  • Risse in der Umgebung des Steges.
  • Schwund am Ebenholz Griffbrett (häufig) – die Bünde stehen über und lösen sich am Griffbrettrand aus der Nut – kann Klirren oder Schnarren bei niedriger Saitenlage verursachen. Die Bünde sind nicht mehr eben. Die Gitarre läßt sich dadurch schwerer spielen (besonders Barre). Gelockerte Bünde simd leicht zu erkennen wenn man mit dem Finger über die Seite des Griffbretts entlang des Halses fährt.
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Riss in der Decke entlang Griffbrett – überstehender, lockerer Bund

 

Die Risse entstehen bevorzugt an den Stellen an denen unterschiedliche Holzarten verleimt werden besonders bei Ebenholz auf Fichte. Johann Georg Stauffer der Altmeister des Gitarrenbaus hat deshalb bei seinen Gitarren das Griffbrett im Bereich der Decke abgeschrägt.

staufer_griffbrett_schraegSelbst bei sehr alten Stauffer Gitarren gibt es an der Stelle keine Risse. Risse in der Gitarre sollte man so schnell wie möglich reparieren lassen. Provisorisch kann man ein durchsichtiges Klebeband (Tesafilm) über den Riss kleben. Die Reparatur z.B. eines Risses entlang des Griffbretts und das Ausrichten der Bünde kostet in einer Gitarrenwerkstatt etwa 100 – 150 €. Man kann billige Gitarren aber auch billiger reparieren. Sehr wertvolle Gitarren sollte man  nur bei einem anerkannten Meister des Gitarrenbaus reparieren lassen. Der Klang der Gitarre wird sich durch die Reparatur dann nicht verschlechtern. Unsachgemäße Reparaturen mindern den Wert der Gitarre erheblich!

Wesentlich besser als eine Reparatur ist es, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit im Zimmer und im Gitarrenkoffer zu kontrollieren. Ich verwende dazu ein kleines Thermo-/Hygrometer (1.80 € mit Versand aus China  kostet es dann aber 4.80 € ! ) Wenn der Gesamtwert der Bestellung über 20 € liegt  schlägt der Zoll mächtig zu.

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Aus Karton und Klebeband habe ich mir ein Teil gebastelt, das ich am Schalloch unter die Saiten klemme. So weiß ich immer wie es der Gitarre im Raum und im Koffer geht. Bei Daddario gibt es für etwa 50 € ein Hightech Meßgerät das eine Nachricht über Bluetooth an ein Handy schickt wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Das Teil scheint aber noch nicht sehr zuverlässig zu funktionieren. In Räumen mit Zentralheizung kann man mit einer Wasserschale auf der Heizung eine Feuchtigkeit von 50% ohne großen Aufwand erzeugen. Da sollte sich die Gitarre dann recht wohl fühlen. Wichtig ist, dass man laufend kontrolliert.

Erreicht man bei normaler Zimmertemperatur keine Feuchtigkeit von 50%, sollte man die Gitarre im Koffer aufrecht möglichst in die kühlste Ecke des Zimmers stellen. Meistens ist das eine Ecke an den Außenwänden. Bei Fußbodenheizung sollte der Koffer nie auf den Fußboden gestellt werden. Ungünstig ist es auch die Gitarre offen an die Wand zu hängen – oben ist immer wärmer!