Heavy Metal in der Renaissance – Cister, Citrinchen, Cittern

Thüringer Waldzither

Ähnlich wie heute wurde in der Renaissance U-Musik auf Saiteninstrumenten gemacht, die Metallsaiten hatten. Das hatte den Vorteil, dass man damit zum Tanz oder in der Kneipe  lauter spielen konnte als mit einer Laute, die mit Darmsaiten bespannt war. Die Metallsaiten waren auch billiger und gingen nicht so schnell kaputt wie Darmsaiten. Ein Lautenist wie z.B. A. Brescianello am Stuttgarter Hof musste einen großen Teil seines Salärs für Saiten ausgeben. Das bevorzugte Saiteninstrument der Spielleute war die Cister (das Banjo der Renaissance) . Der Schweizer Clown Dimitri spielt eine Langhalscister auch heute noch auf der Bühne (Dimitri Seh- und Hörbeispiel). Ähnlich wie die Laute hatte die Cister Doppelsaiten aber auch einzelne Saiten im Bass und wurde mit einem Plektrum oder einem Federkiel gespielt. Das war Heavy Metal in der Renaissance. (Beispiel für Nachbau einer historischen Cister).Die moderne zwölfsaitige Gitarre ist der Cister sehr ähnlich.Die Cister war viel einfacher, mit nur leicht gewölbtem Boden, und billiger als die Laute. Der Begründer der Bach Musiker- Dynastie, Veit Bach,  spielte eine Form der Cister, die man Citrinchen nannte. In Wechmar kann man heute wieder die Veit-Bach-Mühle besichtigen. (Hörbeispiel Lieblingslied der Famile Bach: Kraut und Rüben)

Vermeer, Johannes - The Loveletter

Johannes Vermeer, Loveletter, 1969/70
Rijksmuseum, Amsterdam

Von Daniel Bollius  (Mainzer Hofkapellmeister a. 1590 Hechingen – ca. 1642 Mainz) wird berichtet, dass er bereits als Jugendlicher mit der Cister zum Tanz in der Scheune in Sigmaringen aufspielte. Im 17. Jahrhundert und 18. Jahrhundert war die Cister ein Modeinstrument (siehe Bilder von Vermeer).

Die Cister Tradition hat sich in der Volksmusik vieler Ländern erhalten  u.a. in England (English Guitar), Griechenland(Bouzouki), Irland, Portugal, Norwegen (Beispiel), Schweden (Bellman ,  Martin Bagge). Auch in Deutschland gibt es wieder Gruppen die mit der Cister spielen (Inspeculum)

In Europa kam die Cister im 18. Jahrhundert irgendwie aus der Mode. Während sich Cister Instrumente in verschiedenen Ausprägungen in Süd- und Nordamerika gehalten haben.

Das oben abgebildete Instrument ist eine Thüringer Waldzither (gebaut in Mittenwald ca 1920, Mensur 48 cm), die mit der Renaissance der alten Musik beim Wandervogel wieder in Mode kam. Das Instrument kann noch heute unplugged mit modernen Instrumenten mithalten. Vereinzelt findet man heute die Cister bei Aufführungen alter Musik als Begleitinstrument wieder. Damit schließt sich dann der Kreis zur modernen E-Gitarre.

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