Archiv der Kategorie: Musik

Xerxes mit Lauten und Barockgitarre an der Oper Frankfurt

An der Oper Frankfurt hatte die Händel Oper Xerxes am 8. Januar, 2017 Premiere und steht jetzt auf dem Spielplan. Das Orchester spielt mit einer „Rhythmus“ Gruppe mit Lauten und Barockgitarre. Dadurch erhält man ein authentisches Klangbild und viel historischen „Drive“. Aufführungen mit konventioneller Besetzung wirken dagegen langweilig. Die Oper Frankfurt kombiniert die historische Musik mit einer modernen Aufführung. Sehenswert!

Ich habe in der Tradition der Gitarristen (Gitarre und Oper) den Ohrwurm der Oper Xerxes „Ombra mai fu“ für Gitarre Solo Ombra mai fu – Gitarre Solo und für Gitarre Duo Ombra mai fu – Gitarre Duo gesetzt. Xerxes war offenbar der erste „Grüne“ auf dem Thron. Er ließ die wunderbare Platane, die in der Aria besungen wird, mit Gold behängen und von Soldaten bewachen. Nachdem ein Sturm seine gerade fertiggestellten Brücken über die Dardanellen zerstörte, ließ er das Meer auspeitschen und die leitenden Ingenieure des Brückenbaus köpfen. Darüber gibt es aber leider keine Arie.

Duo Kowalska/Berula  (Tschechien) Barockgitarre und Theorbe  Canarios (YouTube)

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Schloss mit Barocktheater

Eine Reise wert ist das vollständig erhaltene Barocktheater in Cesky Krumlov (das scheinen aber nur die Japaner zu wissen). Da kann man noch die vollständig erhaltene barocke Theater-Maschinerie in Aktion sehen. Historische Aufführungen gibt es da aber nur selten im Sommer:  Schloßtheater in Český Krumlov

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Gitarre und Oper

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Romantische Gitarre Staufer Nachbau

Zupfinstrumente wie Laute und Gitarre (Barockgitarre) wurden in Barockopern noch häufig eingesetzt dann aber zunehmend durch das Cembalo ersetzt. Eine schönes Beispiel für diese Musik ist die Aufführung der Oper „The Fairy Queen“ von Henri  Purcell in der Staatsoper Stuttgart 2016 (Einführung Video). Der Katalane Josep Maria Marti spielt die Theorbe und die Barockgitarre (battente). In der Staatsoper Stuttgart gab es 2011 auch eine Aufführung der Handel Oper IL TRIONFO DEL TEMPO E DEL SISINGANNO  unter der Leitung von Sébastian Rouland. Im Orchestergraben saßen nur einige Streicher aber eine sechsköpfige Lautengruppe, die wie eine Schlagzeuggruppe wirkte. Die barocke Orchestertradition mit Basso Continuo überlebte nur in Südamerika und wurde dann nach USA und in den Swing, den Jazz und die moderne Rockmusik exportiert. Europa wurde im 19. Jahrhundert aber ROMANTISCH und elegisch. Am Weimarer Hof spielte Anna Amalie selbst Gitarre, hatte auch einige Gitarren aus Italien mitgebracht und förderte Gitarristen und Sänger z.B. Goethe’s Mignon. In Weimar wurde viel Gitarre gespielt (u.a. Schillers Frau). Die Gitarre wurde auch in einigen Opern verwendet, die heute meist nicht mehr aufgeführt werden. Die Gitarre spielte der Oboist Unrein, ein für einen Musiker nicht gerade günstiger Name (Christian Ahrens: Die Gitarre im klassischen und Nachklassischen Weimar).

Für die größeren Orchester der Romantik war die Gitarre den Komponisten zu leise und wurde nur in kurzen Passagen verwendet. Zitat Orchestrasfans Interview mit Heike Matthiesen: Es gibt so viele Opern mit Ständchen, die dort tatsächlich auf der Gitarre gespielt werden: Barbier von Sevilla (Rossini), Don Pasquale 2 Gitarren (Donizetti Com’è Gentil la Nottemit Gitarre auf der Bühne) Partitur IMSLP S. 460 – 467, Oberon ( Weber), Beatrice et Benedict (Berlioz), Othello ( Verdi), Falstaff ( Verdi), Abu Hassan ( Verdi), La Vida breve ( de Falla), Bluthochzeit (Fortner) und dann natürlich Mahlers 7. Sinfonie (4. Satz).

Die Partituren der älteren Opern findet man in der IMSLP/Petrucci Library  free public domain sheet music. Die Stellen mit Gitarre muss man aber suchen.

Die Komponisten wie Berlioz, Liszt, Wagner usw waren auf der Suche nach neuen (lauteren) Instrumenten.  Die Gitarre wurde allenfalls für Ständchen als zusätzliche romantische Klangfarbe, von Komponisten eingesetzt, die selbst Gitarre spielten wie z.B. Carl Maria von Weber (Weber’s Gitarre) oder Hector Berlioz.

In der Arie des Beckmesser setzt Richard Wagner in der Urfassung eine Laute für eine recht anspruchsvolle Begleitung ein.  Wagner kannte aber wohl nur noch die Gitarrenlaute mit sechs Saiten, – die wie eine Gitarre gestimmt war. Beckmesser klimpert u.a. ein wenig auf den Leersaiten herum, stimmt die D-Saite tiefer und dann wieder höher. Wagner hat also gut beobachtet – die Gitarristen stimmen immer! Die Lauten Begleitung (Wagner_Beckmesser-Gitarre) findet man in der Originalpartitur ab Seite 410 (Partitur in der IMSLP Library).

Bei einer Aufführung in Wien wurde die Laute sehr zum Ärger von Wagner von einer Gitarre gespielt – wohl von Johann Dubez, der neben Violine und Harfe auch Gitarre spielte. Für die Rheingold Aufführung in Wien war Wagner dann aber doch auf die Mitwirkung von Dubez angewiesen – als Anführer der 6 Harfen (Orchesterbesetzung). Die Gitarre war Wagner viel zu leise – in späteren Aufführungen wurde die Laute durch eine spezielle Harfe ersetzt. Gegen die 16 Ambosse im Schlagwerk hatte die Gitarre keine Chance. Wagner wäre sicher von den modernen E-Gitarren begeistert gewesen. Eine Rheingold Aufführung mit E-Gitarren,  Keyboards und 16 Ambossen wäre  wohl eine schöne Aufgabe.

Guiseppe Verdi hat dagegen die Gitarre als Instrument des Volkes geschätzt und den einstimmigen (damit jeder mitsingen konnte) Gefangenenchor von einer  Orchester Gitarre   begleiten lassen.. Eine echte Gitarre setzt Verdi in Othello, Abu Hassan und im Falstaff (Original Partitur IMSLP Library) ein. Die Arie des Falstaff im 2. Akt wird in einer Giarrettiera (Gasthaus zum Strumpfband) eine frühe italienische Version eines Wellnesshotels, mit Begleitung einer Gitarre (13 Takte auf S. 232 in der Originalpartitur) gesungen. Verdi hat die Möglichkeiten der Gitarre offensichtlich sehr gut gekannt. Leider wird bei den meisten Aufführungen nur eine Gitarre herumgeschwenkt und die 13 Takte Gitarren Begleitung von den Geigen gespielt. Der Gitarrist ist der Sparwelle in den Opernhäusern zum Opfer gefallen. So mancher klassischer Gitarrist wäre aber wohl für einen kleinen Nebenverdienst dankbar und Verdi würde sich im Grabe freuen, daß sein Werk nicht verhunzt wird.

Falstaff_Gitarre

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Carl Maria von Weber setzt ein Gitarrenduo für die Romanze im Singspiel Donna Diana ein, das in Dresden 1817 uraufgeführt wurde (Transkription  für Gitarre Solo  Weber_Duetto_Solo ). In der Oper OBERON (Besetzung  ,Partitur) Originlpartitur S. 36 setzt Weber ebenfalls eine Gitarre ein, die aber nur ein paar Akkorde spielt. Weber hat aber recht viel Kammermusik für Gitarre geschrieben.

Hector Berlioz war ein sehr guter Gitarrist und spielte eine von Paganini signierte Gitarre. In der Jugend gab er Gitarrenunterricht und schrieb Stücke für seine Schülerinnen. In der Oper Béatrice et Bénédicte (IMSLP) wird der 2.Akt mit einem Trinklied des SOMARONE mit der guten Begleitung einer Gitarre (und auf den Tisch geklopften Weingläsern) eröffnet – Partitur 2. Akt S 195 -201. In der Partitur wird sogar eine IMROVISATION von den Musikern verlangt, das habe ich noch in keiner Oper gesehen.

Insgesamt gibt es aber nur wenige Stellen in Opern mit Gitarre. Dagegen gibt es sehr viele Bearbeitungen von Opernarien für Gitarre bei den Klassikern der Gitarre – man hat auch damals bevorzugt die „Schlager“ gespielt. Viele Noten findet man in der  Rischel & Birket-Smith Collection of Guitar Music der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen. Anspruchsvolle Bearbeitungen hat auch Tarrega veröffentlicht. Viele der Bearbeitungen wurden von Gitarristen gemacht, die auch in ihrem Heimatland niemand mehr kennt. Der kroatische Gitarrist Ivan Padovec hat eine ganze Reihe von Bearbeitungen veröffentlicht. Eine der ersten amerikanischen Gitarristinnen war z.B. Amelie Luigi, die eine Bearbeitung Minuetto from Fallstaff 1895 also nur 2 Jahre nach der Uraufführung der Oper veröffentlichte. Emilia Giuliani (die Tochter von Mauro Giuliani) hat ebenfalls viele Opern bearbeitet (Mit Preview Emilia Giuliani Noten)

Verdi_minuetto_FallstaffEs gäbe also genügend Material für ein unterhaltsames Programm für Gitarristen, die einmal etwas anderes also die üblichen Werke spielen wollen.

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Für die Transkription für die Gitarre eignen sich Opernarien mit einfacher Begleitung recht gut. Schwieriger wird es, wenn man typische Orchestermusik auf der Gitarre spielen will. Das fällt dann meist unter die Rubrik „Pädagogisch Wertvoll“ und ist allenfalls in die Einführung von Schülern in die Orchestermusik geeignet. Ein Beispiel ist die Ouvertüre zur Oper Libuse von Bedrich Smetana (Partitur IMLSP Library, Youtube – Orchester), die sehr von den Klangfarben des Blechs, der Oboe und der Flöte geprägt wird. Die folgende Transkription für Gitarre Solo eignet sich als Übung für die Erzeugung verschiedener Klangfarben auf der Gitarre.  Smetana_Libuse_Auszug (PDF)

Mahler Gitarre

Mahler 7.Symphonie Gitarre

Gustav Mahler setzt eine Gitarre (PDF) zusammen mit anderen exotischen Instrumenten im 4. Satz, der Nachtmusik in der 7. Symphonie (ab Takt 170) ein. In den ersten drei Sätzen der Symphonie hat der Gitarrist Pause. Auf YouTube gibt es eine Aufnahme der 7. Symphonie der New York Philharmonic/Leonard Bernstein, bei der die Partitur angezeigt wird (Audio and Score). Der Teil mit Gitarre in der Nachtmusik findet sich bei 49:17 sec. Selbst mit guten Kopfhörern werden auch Kenner die Gitarre kaum hören.

 

Neuer Gitarrenbauer im Raum Böblingen – Stuttgart

Thomas Eichert Gitarrenbau Aidlingen

Thomas Eichert
Gitarrenbau Aidlingen

Gitarrenbauer für klassische Gitarren sind im Raum Böblingen-Stuttgart rar.  Thomas Eichert hat vor etwa zwei Jahren seine neue Werkstatt in Aidlingen bei Böblingen eröffnet. Passend zur Nähe zum Mercedes Werk in Sindelfingen baut Thomas Eichert klassische Gitarren in der „Mercedes Klasse“ (Preise auf Anfrage!) u.a. verwendet er auch Hightech, eine numerisch gesteuerte Maschine speziell für die Formen seiner Gitarren.  Thomas Eichert hat 1994 in Markneukirchen seinen Meister gemacht, längere Zeit bei Hanika in der Werkstatt gearbeitet und jede Menge Erfahrungen gesammelt. Mit seinen Verbindungen hat er keine Probleme gehabt, sich die hochwertigen, lange gelagerten  Hölzer für den Start zu besorgen u.a. durch Aufkauf von Beständen von Gitarrenbauern in Markneukirchen, die altershalber ihren Betrieb aufgegeben haben. Dies ist besonders wichtig für Rio Palisander, der nur noch verwendet werden kann, wenn es vor 1992 erworben wurde (CITES Artenschutz).

Wie bei echten Meistergitarren üblich werden jeweils nur drei bis vier Gitarren im Auftrag gleichzeitig gebaut – das dauert typisch 3 Monate. Die fertigen Gitarren sind dann nur kurz in der Werkstatt, wo Interessenten sie anspielen können. Ich durfte neulich ein klassisches Modell mit Fichtendecke kurz anspielen – die beste neue Gitarre, die ich in den letzten Jahren unter den Fingern hatte (ein Freund von mir hat sie erworben).

Sehr wahrscheinlich wird Thomas Eichert eine seiner Gitarren bei den Internationalen Gitarrenfestspielen Nürtingen 2016 (29. Juli – 6.August) vorstellen.  In Nürtingen kann man die Gitarren der verschiedenen Gitarrenbauer aus dem In- und Ausland selbst vergleichen oder die von Solisten gespielten Gitarren bewerten. Das gibt es soviel ich weiß nur in Nürtingen.

Sofern Zeit bleibt, macht Thomas Eichert auch Reparaturen hochwertiger Gitarren z.B. kleinere Reparaturen an meiner Paco de Lucia Gitarre von Faustino Conde, Baujahr 1979. Unfachmännische Reparaturen könnten so ein gutes Stück schnell wertlos machen!

Nachtrag 10.8. 2016 Diese „Eichert Supergitarre“ hat im Gitarrenvergleich beim Gitarrenfestival 2016 in Nürtingen den ersten Platz gegen die internationale Konkurrenz und bei Meistergitarristen in der Jury belegt. Das ist ein Ritterschlag für den jungen Gitarrenbauer.

Unterricht für klassische Gitarre im Internet

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Der Himmel hängt voller Gitarren

Das Gitarrenspiel lernt man am leichtesten und am effizientesten mit einem guten Gitarrenlehrer im Einzelunterricht. Leider kann sich nicht jeder das leisten oder findet keinen guten Gitarrenlehrer in der Nähe, bei dem das Lernen auch Spaß macht. Millionen von Gitarristen bringen sich das Gitarrenspiel selbst bei und nutzen dabei die Unterstützung im Internet.

Auch für erfahrene Spieler ist es wichtig auch mal eine andere Meinung zu hören oder Anregungen zu bekommen, wenn man nicht genug Zeit für regulären Unterricht aufbringen kann. Professionellen auch pädagogisch fundierten Unterricht findet man in Deutschland noch relativ selten während amerikanische Gitarristen Methoden für das Internet und Nutzung von Skype im Unterricht zum Teil schon in der Ausbildung praktizieren. Einer meiner Favoriten ist Allen Matthews (spielt eine Duran Gitarre wie ich), der den  ClassicalGuitarShed betreibt und ein Komplettangebot für Gitarrenunterricht im Web anbietet. Seine Newsletters sind immer interessant (Sign Up for Email). Unterrichtssprache ist Englisch – ein ähnlich gutes Angebot für klassische Gitarre in Deutsch habe ich bisher noch nicht gefunden.

Auch Gitarristen sollten ab und zu über Griffbrett und Schalloch hinaussehen – von den Streichern können Gitarristen viel lernen. Gute Tipps zum Musizieren und Üben gibt es im BogenBalance Blog.

Beispiel: Der Gummibärchen Trick beim Üben.

 

Konzert des Gitarrenensembles Böblingen (ZOBB) am 13.3. und 16.4.2016

Das Gitarrenensemble des Zupforchesters Böblingen e.V. gibt am Sonntag dem 13.3.2016 um 17:00 ein Konzert in der Paul Gerhardt Kirche in Böblingen. „Roots“ – von Europa (Mozart) zu Musik aus Süd- (Barios, Villa-Lobos, Piazolla …) und Nordamerika (Gershwin …).

Das Konzert wird am Samstag, dem 16. April in der Michaelskirche in Stuttgart Degerloch, Reginenstraße 38  wiederholt.

Ref: Bericht in der Kreiszeitung Böblingen

 

Fingerstyle Gitarre Konzert von Eric Lugosch in Böblingen am 12.Dezember, 2015

26012007249Der Fingerstyle-Gitarrist ERIC LUGOSCH aus Chicago gibt ein Konzert am Samstag, 12.Dezember, 20.30 Uhr im AWO-Haus, E. Bolz-Str.1, Böblingen. Hier kann man einen Meister der Fingerstyle Gitarre hautnah erleben. Weitere Informationen AWO BB

Hörbeispiele bei you tube:
Cajun cook :  https://www.youtube.com/watch?v=qpYkvX09HeY
Standing on the outside: https://www.youtube.com/watch?v=UsGL7mXdQgY

Besuch im Lautenmuseum Füssen

Füssen-Schloss

Füssen Hohes Schloss

In Füssen findet man ein kleines aber feines Museum zur Geschichte des Lautenbaus in der Region. Im Sommer kann man einen Zwischenstopp bei der Fahrt in den Süden einlegen. Im Winter eignet sich Füssen für einen romantischen  Wochenendausflug.

 

Im 16. Jahrhundert war Füssen das Zentrum des Geigen- und Lautenbaus in Europa. Lauten und Bauteile für Lauten wurden hier in großem Maßstab gebaut und exportiert. Es begann mit einem Transfer von Technologie durch sephardische Juden, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden.

Füssen Lautenmseum

Füssen Lautenmseum

Ein Mitglied der Familie Wolf (Lopez -> Lupus) erwarb 1493 das Bürgerrecht als Lautenmacher in Füssen. Da er hauptsächlich für den Export arbeitete, war er kein Konkurrent für die örtlichen Handwerker. In der Region wuchs das Material für den Lautenbau: Eibe, Fichte, Ahorn und Buchsbaum in hervorragender Qualität. Das Museum legt den Wert auf die Herstellung der Lauteninstrumente und ihre Bedeutung für die Region Füssen.

Gitarren 17./18.Jahrhindert

Gitarren 17./18.Jahrhindert

Saiteninstrumente aus den verschiedenen Epochen werden exemplarisch gezeigt.

Laute Mitte 16. Jahrhundert

Laute Mitte 16. Jahrhundert

Die älteste Laute im Museum stammt von Wolfgang Wolf aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Hier sieht man auch deutlich die Probleme der Lauten. Die Decke musste extrem leicht gebaut werden und hatte damit keine lange Lebensdauer. Zum Transport z.B. zu den Fuggers nach Augsburg (siehe auch Fugger und Welser Museum Augsburg) steckte man die Lauten in mit Stroh ausgepolsterte Weinfässer. Die hohen Transportkosten konnte man vermeiden indem man nur die Einzelteile der Laute herstellte und die Lauten dann vor Ort zusammenbaute.

Caspar Tiefenbrucker Denkmal

Caspar Tiefenbrucker Denkmal

Den „Just in Time“ Zusammenbau erledigten dann ausgewanderte Füssener Lautenbauer wie Edlinger in Prag oder die  Tieffenbrucker in Italien. Das zweite Problem waren die Saiten der Laute, die eine begrenzte Lebensdauer hatten und sehr teuer waren.  Ein Lautenist musste etwa 1/3 seines Salärs für Saiten aufwenden.

Der Tod spielt CisterFür das gemeine Volk spielte man auf der Cister mit Metallsaiten. Auf dem Totentanz-Fresko im Füssener Museum sieht man rechts unten einen Cisterspieler – den Tod. Die Cister, die E-Gitarre der Renaissance,  war sehr laut, wurde zum Tanz gespielt und wurde ganz offensichtlich von den Kirchenleuten nicht gerne gesehen.

Lautenmuseum Füssen - Cister

Lautenmuseum Füssen – Cister

Das Museum zeigt ein schönes Exemplar einer Cister mit Hörbeispielen.

Die ausgestellten Gitarren aus verschiedenen Epochen sind sorgfältig ausgewählt und gut erhalten. Der Bau von Lauten wird an Mustern gezeigt. Es gibt auch eine Station zur Herstellung der Saiten, die sonst in den Museen meist nicht erwähnt werden.

Nach dem Museumsbesuch sollten ernsthafte Gitarristen unbedingt in der Werkstatt des einzigen in Füssen verbliebenen Gitarren- und Lautenbauers Urs Langenbacher vorbei schauen (Anmeldung empfohlen). Eine von Urs gebaute Lautenmuschel wird im Museum ausgestellt.

Werkstatt Urs Langenbacher

Werkstatt Urs Langenbacher

Urs Langenbacher teilt sich die Werkstatt im Dachgeschoss über der kleinen Markthalle mit dem Geigenbauer Pierre Chaubert. Da kann man das Handwerk erleben. Urs ist einer der wenigen Gitarrenbauer in Deutschland, die Gitarren der „Mercedes“ Klasse nach eigenen Klangvorstellungen entwickeln und den Spielern auf den Leib schneidern. Natürlich sind solche Gitarren nicht billig (2015  > 7000 €) aber immer noch billiger als ein CO2 generierendes Automobil! Das entspricht in Kaufkraft dem Preis von 5 Gulden einer guten Laute im 16.  Jahrhundert!

Selbst wenn man das Budget für eine solch Gitarre nicht in der Tasche hat, lohnt sich ein Besuch. Die Gitarrenspieler, die sich ein solches Modell leisten, haben meist auf sehr guten Gitarren gespielt, die in Kommission verkauft werden. Auch der Kauf einer guten Schülergitarre beim Gitarrenbauer lohnt sich, da diese perfekt eingerichtet ist.

Die Gegend in und um Füssen ist auch im Winter eine Reise wert. In der Altstadt gibt es genügend urige Gasthäuser.

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Hopfensee

Meine Empfehlung ist ein Abendessen bei Sonnenuntergang im Wintergarten in der Fischerhütte am Hopfensee. Da kann man im Sommer auch schön wandern oder biken. Im Winter gibt es schöne ebene Langlaufloipen und sogar eine Eisbahn für die Schlittschuhfahrer. Abfahrern sei die am Abend beleuchtete Skipiste unterhalb Schloss Neuschwanstein empfohlen. Romantischer geht’s nicht.

Nachtleben in Füssen

Nachtleben in Füssen

Für die Jugend ist allerdings in Füssen am Abend nicht viel los. Immerhin hat sich die Jugend ein schönes Emblem einfallen lassen, das das Motiv von der Totentafel aufgreift.