Archiv der Kategorie: Acoustic Guitar

Faltgitarre für Reisen – Furch Little Jane aus Tschechien

Der Instrumentenbau in Luby (früher Schönbach) hat eine lange Tradition. Nach dem Krieg sind viele Gitarrenbauer vor der kommunistischen Planwirtschaft in der Tschechoslowakei nach Bayern u.a. nach Bubenreuth geflohen. Hoyer ist wohl die bekannteste Werkstatt für Schlagitarren („Herr im Frack“) aber auch E-Gitarren. Arnold Hoyer experimentierte viel und brachte u.a. eine faltbare E-Gitarre, die Hoyer Foldaxe heraus.

In der Tradition des tschechischen Instrumentenbaus bauen Frantisek Furch und sein Sohn Peter in ihrer Manufaktur Furch Guitars interessante Modelle von Akustik Gitarren in bester Qualität und innovativen Tonabnehmern u.a. ein Mikrofon in der Gitarre, das wie ein externes Mikrofon  klingt aber Rückkopplungen vermeidet.

Die Furch Travel Guitar Little Jane ist ein Traum für Gitarristen, die auf Reisen keinen großen Gitarrenkoffern schleppen (oder Gitarrenschüler, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren müssen), sondern ihre Gitarre in einem Rucksack (Backpack) transportieren wollen.Man sollte sich unbedingt das Video auf der Litlte Jane Seite ansehen. Der Hals wird in der Gitarre aufbewahrt. Dort holt man ihn heraus, steckt die Kopfplatte mit den Saiten an, und verspannt den Hals mit einer einfachen Mechanik. Man kann dann sofort loslegen – man muss nicht groß stimmen. Die Furch Little Jane ist zwar nicht ganz billig (ca, 1000 €) aber wirklich innovativ. Anderes Firmen bieten auch Folding Guitars an – den Trick mit dem Hals in der Gitarre habe ich aber nur bei Furch gesehen. Für Unterwasser Konzerte für Walhaie sollte man eine Gitarre aus Carbon verwenden.

PS Staufer hat in Wien Gitarren schon um 1800 mit abschraubbarem Hals gebaut. Damit konnte man die Breite des Griffbretts nach Wunsch des Spielers ändern oder verzogene Hälse leicht reparieren. Bei Kontrabässen gibt es schon länger Modelle mit abnehmbarem Hals. Da kann man bei Luftfracht viel Geld sparen!

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Hitze- und Trockenschäden bei Gitarren

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Temperatur- Feuchte-Messgerät

Gitarren – besonders die teuren – sind leicht gebaut und leiden bei Hitze, Trockenheit oder Feuchte. Gitarren sollten bei etwa 20° C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50% aufbewahrt und gespielt werden. Solche Verhältnisse findet man leider nur in Museen oder in den Räumen von Händlern, die Meistergitarren verkaufen. Temperaturen zwischen 10°C bis etwa 30°C hält eine gut gebaute Gitarre aus.

Kritisch wird es allerdings, wenn man die Gitarre im schwarzen Koffer im Sommer etwa eine Stunde in der Sonne liegen läßt. Da wird es im Innern schnell 60°C warm und der Knochenleim wird bereits weich. Die Bebalkung der Decke kann sich dann lösen – die Decke bekommt dann Wellen oder reißt. Auch der Dachboden ist kein guter Aufbewahrungsort für ältere Gitarren. Funde vom Dachboden haben meist Risse. Ist die Decke mit einem modernen Klebstoff,  z.B. Titebond verarbeitet, kommt es zu Spannungen und der Ton der Gitarre verändert sich. Beim Kauf einer teuren Meistergitarre sollte man sich erkunden wie die Decke geleimt ist.

Eine Temperatur > 60°C wird  auch im Kofferraum eines Autos erreicht, das in der prallen Sonne steht. Vorsichtige Gitarristen parken deshalb ihr Auto im Schatten und vergessen aber gern, dass die Sonne im Laufe das Tages wandert. Hohe Temperaturen können auch im Winter erreicht werden  wenn die Sonne tief steht und der schwarze Gitarrenkoffer in einer Ecke steht, wo die Sonne im Sommer nicht hinkommt. Wer seine Gitarre auf einen Heizungsschacht (häufig in Kirchen und Konzertsälen) legt, wird sich wundern, wie heiß es wird wenn der Hausmeister die Heizung einschaltet! Der Kunststoffkoffer einer Mitspielerin im Gitarrenorchester ist bei einer  solchen Gelegenheit geschmolzen. Zum Glück war die Gitarre ausnahmsweise nicht im Koffer.

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Baumscheibe mit Trockenriss

Im deutschen Klima ist in der Regel nicht die Hitze sondern die Luftfeuchtigkeit das größte Problem. In der typischen deutschen Wohnung ist es im Winter meist zu trocken. Dann treten bei der Gitarre Trockenschäden auf selbst wenn der Gitarrenbauer lang gelagerte trockene Tonhölzer verwendet hat. Die Fasern des Holzes werden bei Trockenheit dünner, das kann man schön an einer Baumscheibe sehen.

gitarre_trockenschaedenTrockenschäden treten bei der Gitarre bevorzugt an folgenden Stellen (rot markiert) auf:

  • In der Decke Riß entlang des Griffbretts (häufig)
  • Riß in der Mitte der Decke wo die zwei Hälften der Decke zusemmengeleimt sind.
  • Risse in der Umgebung des Steges.
  • Schwund am Ebenholz Griffbrett (häufig) – die Bünde stehen über und lösen sich am Griffbrettrand aus der Nut – kann Klirren oder Schnarren bei niedriger Saitenlage verursachen. Die Bünde sind nicht mehr eben. Die Gitarre läßt sich dadurch schwerer spielen (besonders Barre). Gelockerte Bünde simd leicht zu erkennen wenn man mit dem Finger über die Seite des Griffbretts entlang des Halses fährt.
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Riss in der Decke entlang Griffbrett – überstehender, lockerer Bund

 

Die Risse entstehen bevorzugt an den Stellen an denen unterschiedliche Holzarten verleimt werden besonders bei Ebenholz auf Fichte. Johann Georg Stauffer der Altmeister des Gitarrenbaus hat deshalb bei seinen Gitarren das Griffbrett im Bereich der Decke abgeschrägt.

staufer_griffbrett_schraegSelbst bei sehr alten Stauffer Gitarren gibt es an der Stelle keine Risse. Risse in der Gitarre sollte man so schnell wie möglich reparieren lassen. Provisorisch kann man ein durchsichtiges Klebeband (Tesafilm) über den Riss kleben. Die Reparatur z.B. eines Risses entlang des Griffbretts und das Ausrichten der Bünde kostet in einer Gitarrenwerkstatt etwa 100 – 150 €. Man kann billige Gitarren aber auch billiger reparieren. Sehr wertvolle Gitarren sollte man  nur bei einem anerkannten Meister des Gitarrenbaus reparieren lassen. Der Klang der Gitarre wird sich durch die Reparatur dann nicht verschlechtern. Unsachgemäße Reparaturen mindern den Wert der Gitarre erheblich!

Wesentlich besser als eine Reparatur ist es, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit im Zimmer und im Gitarrenkoffer zu kontrollieren. Ich verwende dazu ein kleines Thermo-/Hygrometer (1.80 € mit Versand aus China  kostet es dann aber 4.80 € ! ) Wenn der Gesamtwert der Bestellung über 20 € liegt  schlägt der Zoll mächtig zu.

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Aus Karton und Klebeband habe ich mir ein Teil gebastelt, das ich am Schalloch unter die Saiten klemme. So weiß ich immer wie es der Gitarre im Raum und im Koffer geht. Bei Daddario gibt es für etwa 50 € ein Hightech Meßgerät das eine Nachricht über Bluetooth an ein Handy schickt wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Das Teil scheint aber noch nicht sehr zuverlässig zu funktionieren. In Räumen mit Zentralheizung kann man mit einer Wasserschale auf der Heizung eine Feuchtigkeit von 50% ohne großen Aufwand erzeugen. Da sollte sich die Gitarre dann recht wohl fühlen. Wichtig ist, dass man laufend kontrolliert.

Erreicht man bei normaler Zimmertemperatur keine Feuchtigkeit von 50%, sollte man die Gitarre im Koffer aufrecht möglichst in die kühlste Ecke des Zimmers stellen. Meistens ist das eine Ecke an den Außenwänden. Bei Fußbodenheizung sollte der Koffer nie auf den Fußboden gestellt werden. Ungünstig ist es auch die Gitarre offen an die Wand zu hängen – oben ist immer wärmer!

 

Bob Dylan – Gitarrist und Maler erhält Nobelpreis für Literatur zu Recht

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Woodstock Bild signiert Carolyn und Bob Dylan (1986)

Die Weisskopfadler Kultur Gurus können nicht akzeptieren, daß Bob Dylan dieses Jahr den Preis für Literatur erhalten hat. Dabei hat die Nobel Kommission  nur erkannt, daß die „Kultur“ sich heute vom traditionellen, elitären Kunstbetrieb mit akademisch ausgebildeten Musikern und Dichtern zu einer freien Basiskultur verlagert hat, deren Plattform die privaten Klubs und das Internet geworden sind. Musikerkarrieren werden heute in YouTube begründet.

Bob Dylan, der Texte und Musik für seine Lieder selbst schuf, ist dabei das Vorbild von Millionen Singer/Songwriter auf der ganzen Welt geworden. Er zeigt, daß man auch erfolgreich sein kann ohne dass man ein Gitarren- oder Gesangsvirtuose sein muß. Als Musiker hätte er sicher keine Chance gehabt, einen Nobelpreis zu bekommen, Alfred Nobel hat dafür keinen Preis ausgeschrieben – auch nicht für Wirtschaft! Seine Lyrik ist aber einzigartig und wurde stark beeinflusst von „Altmeistern“, wie die meisten Literaten, die bisher den Nobelpreis bekommen haben.  Über die Malerei von Bob Dylan kann man sicher nicht streiten, sie bewegt sich auf gehobenem Amateurniveau was für einen Musiker/Dichter durchaus bemerkenswert ist. Offensichtlich wollte Bob Dylan sich umfassend bilden. Er zeichnete viel in seinen Reisetagebüchern (Carnet de Voyage) wie es früher in der Zeit ohne Fotoapparate jeder Künstler gemacht hat.

Künstlerisch wurde Bob Dylan sehr stark von seinem Kunstlehrer Norman Raeben, einem Sohn des jüdischen Dichters Sholom Aleichem beeinflußt, der versuchte seine Schüler nicht nur mit Malerei sondern auch mit Literatur und Philosophie vertraut zu machen. Norman Raeben’s Atelier war im 11. Stock der Carnegie Hall. Offensichtlich war der Einfluss so stark, dass Bob Dylan anfing „zu spinnen“ und sich von seiner Frau Sara scheiden ließ.

Später heiratete er eine seiner Background Sängerinnen, Carolyn Dennis. Offensichtlich malte er 1986 zusammen mit ihr das Landschaftsbild (Aquarell Gouache), das ich 1988 in Woodstdylan-liv-signatureock im lokalen Art Shop kaufte.

Das Bild ist mit Bleistift von Bob Dylan signiert: by Lyn and B Dylan 1986 . Welche Teile Lyn und welche Teile Bob malte ist nicht klar. Es handelt sich offensichtlich um eine Aquarell Studie – nahm Lyn bei Dylan Malunterricht? Offensichtlich war Bob Dylan auf das Werk so stolz, dass er es signierte. Ganz offensichtlich wurde es nicht von einer gedruckten Vorlage abgeleitet, was bei Bob relativ häufig vorkommen soll. Offensichtlich hat die gemeinsame Malerei der Ehe nicht viel geholfen. Lyn und Bob ließen sich schon 1990 wieder scheiden.

 

 

Gurtpin für klassische Gitarre montieren oder Gurtklammer

Gitarren Duo

Gitarrenduo Maccari Pugliese

Klassische Gitarristen spielen heute wieder im Stehen so wie in der Romantik und so wie es bei den Stahlsaiten-Gitarristen heute noch üblich ist. Man erreicht damit ähnlich wie andere Solisten eine weit bessere Bühnenpräsenz. Auch für Hobby Musiker und Gitarrengruppen ist das interessant  da man im Stehen überall spielen kann.

 

Gitarre Wien um 1900

Gitarre Wien um 1900

Hierfür benötigt man einen Gitarrengurt, der klassisch an einem Gurtknopf an der Zarge und am Kopf der Gitarre befestigt wird. Meist hat man bis ins 20 Jahrhundert auch im Sitzen mit Gurt gespielt. Gitarrenstützen waren damals nicht üblich. In der Romantik und in der Jugendbewegung wurde der Gitarrengurt liebvoll bestickt.

 

Gurtpin konisch

Gurtpin Staufer Gitarre

Klassisch wird der Gurtpin (-knopf) mit einem Konus ähnlich wie die Stimmwirbel an der Gitarre befestigt. Dort befindet sich innen der Endblock, der dem PIN guten Halt gibt. Diese Methode hat den Vorteil, dass man den Gurt sehr schnell ab machen kann. Leider ist diese Methode etwas aufwändig und ist bei spanischen Gitarren ganz aus der Mode gekommen – der Flamenco Gitarrist sitzt. Die meisten Gitarren haben heute keine Gurtpins mehr und der Gitarrist ist zum Sitzen verdammt. Bei einer teuren Gitarre sollte man sich aber den Luxus leisten und einen Gurtpin aus Ebenholz korrekt vom Gitarrenbauer einpassen lassen.Bei einfacheren Gitarren kann man einen Gurtpin selbst anschrauben.

Gitarre End Pin montiert

Gotoh Endpin montiert

Ordentliche Gurtpins in Schwarz oder Metall gibt es schon für etwa 2 € im Handel. Selbst Anfänger im Heimwerken können das erfolgreich erledigen – im Gitarrenfachgeschäft sollte das nicht länger als 5 Minuten Arbeitszeit erfordern.  Für die Montage benötigt man einen Bohrer der richtigen Stärke, eine Handbohrmaschine und einen Kreuzschlitz Schraubenzieher. In der Gitarre befindet sich ein Endblock innen in der Gitarre genau an der Stelle wo der Gurtpin montiert wird. Die Zarge wird also nicht belastet.

End Pin markiertZuerst sollte man einen Klebestreifen in der Mitte der Zarge anbringen. Der Klebestreifen verhindert. dass der Bohrer den Lack am Bohrloch beschädigt. Auf dem Klebestreifen markiert man die Mitte der Zarge, wo der Gurtpin angebracht werden soll. Danach sollte man den Mittelpunkt mit einem Nagel oder der Spitze der Schraube  markieren damit der Bohrer nicht abrutscht. Wichtig ist, dass man den Bohrer mit dem richtigen Durchmesser verwendet.

Bohrloch Gurtpin

Bohrloch für PIN Schraube

Beim einfachen Gotoh Gurtpin verwende ich einen Bohrer mit 3.5 mm Durchmesser. Achtung:  die Hersteller von Gurtpins verwenden unterschiedliche Schrauben. Ich empfehle zur Kontrolle eine Probebohrung in einem Stück Weichholz zu machen. Die Schraube muss sich ohne großen Kraftaufwand eindrehen lassen. Achtung: Bohrlöcher kann man zwar aufbohren aber nicht zubohren! Zuerst mit einem Bohrer mit geringem Durchmesser probieren. Falls notwendig kann man ja das Bohrloch mit einem dickeren Bohrer aufbohren. Das Bohrloch im Bild ist sehr sauber. Durch den Klebestreifen wurde der Lack geschützt. Falls man später den Pin entfernen möchte kann man das Bohrloch z.B. mit gefärbtem Wachs versiegeln. Beim Eindrehen der Schraube für den Pin darf keinesfalls zu viel Kraft angewendet werden. Das Holz des Endklotzes in der Gitarre könnte reissen. Profis schmieren die Schraube noch mit Seife oder Wachs damit sie leichtgängiger wird. Nun kann man das eine Ende des Gitarrengurts am Gurtpin anbringen. Bei kleinen Gitarren wird man das andere Ende am Kopf mit einer Kordel befestigen. Die Gitarre führt man an den Wirbeln unter den Saiten durch. Das Gefummel ist etwas lästig, wenn man öfter mit und ohne Gurt spielt. Ich habe am Kopf meiner romantischen Gitarre mit Stimmwirbeln eine runde Gummidichtung (Gummi klappert nicht beim Spielen!) mit einer Kordel befestigt und hänge daran den Gurt auf.

Romantische Gitarre KopfEine Alternative sind Gurtadapter mit Clipverschluss (Acoustic Quick Release ca 5 €) ähnlich wie man es von Kameras kennt. Beim Spielen mit Band muss man darauf achten, dass der Gitarrengurt immer gut gespannt ist damit die Gitarre nicht verrutscht. Das erreicht man bei kleineren Gitarren durch das Gewicht des Arms auf der Zarge.

Diese Methode den Gurt anzubringen führt bei größeren Gitarren nicht zu einer  optimalen Spielhaltung (und sieht auch nicht so cool aus wie bei den E-Gitarristen). Wesentlich besser wird die Gitarre positioniert, wenn man einen Gurtpin an der Zarge ähnlich wie bei der E-Gitarre anbringt.

PIN 12 SaitenDiese 12-Saitige Gitarre hat einen verstellbaren Hals und einen großen Block an dem die Mechanik zur Verstellung des Halses befestigt ist. Der Gurtpin ist hier in der Mitte der Zarge angebracht – auf der Gegenseite ist ja genügend Holz im Innern. Die Gitarre hängt damit frei am Gurt in der richtigen Position.

Leider kann man das bei einer klassischen Gitarre nicht machen. Die Zarge ist viel zu dünn um einen Gurtpin daran zu befestigen.

Gitarre Fuß

Gitarre Fuß innen

Der Endblock (der Fuß des Griffbretts) ist bei klassischen Gitarren sehr schmal und filigran. Das nebenstehende Bild zeigt das Innere einer spanischen Gitarre (Antonio Duran 1990). Da möchte man wohl nicht so gerne bohren. Deshalb ist es schwierig eine gute Position für den Gurtpin zu finden. Die typischen Lösungen haben alle gewisse Vor- und Nachteile – die in Fachkreisen heftig diskutiert werden.

 

 

Gurt Pin Positionen

Gurt Pin Positionen

Ein Gurtpin am Ende des Halses (weiß) hat den Nachteil, daß die Gitarre nach vorne kippt und die Schraube an einer sehr empfindlichen Stelle der Gitarre eingedreht wird. Beim Transport wird die Gitarre immer auf dem Gurtpin aufliegen – hoffentlich geht der Koffer noch zu. Bei Akustik Gitarren wird häufig die Position an der Unterseite (blau) gewählt – Vorsicht Koffer! Die Gitarre hängt dann ziemlich ausbalanziert. Der Gurt stört aber wenn man in den oberen Lagen spielt. Diese Position ist aber für Cowboy-Griff Gitarristen ein recht gute Lösung. Die Hersteller von Akustik-Gitarren geben zum Teil Empfehlungen für die Anbringung eines Gurtpins. Für die ideale Position an der Zarge (rot)muss man im Innern der Gitarre einen ausreichend großen Klotz anleimen, damit die Zarge nicht zu sehr belastet wird. Manche Gitarrenbauer bauen einen solchen Klotz auf Wunsch auch ein. Das akustische Verhalten der Gitarre wird dadurch sicher beeinflußt. Als Laie sollte man sich nur bei ganz billigen Gitarren am Hals zu schaffen machen.

Ich bringe es aber  selbst bei einer Schülergitarre nicht übers Herz Bohrlöcher am Hals der Gitarre anzubringen. Ich verwende eine Gurtklammer, die mit einer Schraube direkt neben dem Griffbrett angebracht wird – da ist der solide Halsfuß der Gitarre darunter an dem die Decke angeleimt ist.

Gurtpin Klammer

Gurtpin Klammer

Gurtpin KlammerDiese Klammer von der Firma Efel wird zur Stabilisierung einer einfachen Gitarrenstütze verwendet. In der Mitte der Klammer habe ich einen Clip Verschluss für den Gurt befestigt. Den kann man verschieben damit die Gitarre im richtigen Winkel hängt. Die Position des Gurtpins ist dabei ähnlich wie bei dem Beispiel Zwölfsaitige Gitarre. Die Klammer kann man relativ fest anziehen, da sie an einer sehr stabilen Stelle der Gitarrenzarge einwirkt. Beim Wechsel vom Spielen im Stehen und im Sitzen entferne ich die Klammer nicht. Zum Transport wird die Klammer entfernt und passt in das Zubehörfach des Gitarrenkofferns.

Die Klammer behindert das Spiel in den hohen Lagen nicht und fällt nicht sehr auf. Die Klammer kann in weniger als einer Minute angebracht werden und ist sehr zuverlässig. Wenn sie ordentlich befestigt ist löst sie sich auch nicht. Man sollte sie allerdings auch nicht allzu fest anschrauben damit die Klammer nicht bricht. Die Gitarre ist an der Stelle ziemlich solide gebaut (blaue Punkte). Leider habe ich bis jetzt keinen Lieferanten für eine solche Gurtpinklammer gefunden. Schön wäre natürlich eine Klammer aus edlem Holz (können Bastler auch selbst bauen) oder eine ganz filigrane Klammer aus Karbon oder vom 3D Drucker.

Gitarre KonstruktionGitarre mit Gurtpin Klammer

Gitarre mit Gurtpin Klammer

Was kostet die Reparatur einer Gitarre

Laute Mitte 16. Jahrhundert

Laute Mitte 16. Jahrhundert

Die meisten Gitarristen haben keine Erfahrung mit Reparaturen und wissen  nicht wann und wie man einen großen Kundendienst oder eine Reparatur machen lassen sollte. Ganz so schlimm wie die alte Laute sollte eine Gitarre nicht aussehen, die man reparieren lassen will.

Auf der Website der Gitarrengalerie Bremen findet man eine Liste häufiger Reparaturen bei Gitarren mit Preisen! Damit hat man zumindest einen Anhaltspunkt wieviel eine Reparatur etwa kosten kann.

Bei sehr wertvollen Instrumenten werden die Kosten höher sein. Die Wiederherstellung einer historischen Gitarre kann einige Tausend € kosten.  Bei der Reparatur kann man sehr schnell eine Gitarre ruinieren. Man sollte sich vorher kundig machen, ob die Werkstatt auch qualifiziert arbeitet und sich beraten lassen welche Arbeiten notwendig sind.

Stahlsaiten für Klassische Gitarre

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Quelle: Pyramid

Klassische Gitarristen sind meist Puristen und spielen auf ihren klassischen Gitarren immer wieder die gleichen Stücke. Dabei können Ausflüge zu den Fingerpickern oder den Gipsy/Jazzgitarristen, die auf Gitarren mit Stahlsaiten spielen, äusserst interessant sein. Selbst alte Musik, die früher mit der Cister gespielt wurde, braucht eigentlich ein Instrument mit Stahlsaiten. Bei Folk Stücken  bekommt man eine interessante Klangfarbe z.B. für Stücke aus Irland, Griechenland usw, die traditionell auf Instrumenten mit Stahlsaiten gespielt werden. Einen interessanten Effekt erhält man z.B. auch mit einem Electronic Bow, mit dem man Töne mit Sustain ähnlich wie auf einer Geige erzeugen kann (dafür braucht man dann aber Tonabnehmer und Verstärker).

Die meisten klassischen Gitarristen haben neben ihrer „guten“ Gitarre eine Schülergitarre, auf die man auch Stahlsaiten aufziehen kann. Normale Stahlsaiten ( extra light ca 52 kp Zugspannung ) haben aber zuviel Spannung und können im schlimmsten Fall zum Abreissen des Steges führen. Selbst wenn der Steg hält, kann sich die Gitarre verziehen. Die Acoustic Guitar Strings – Super Light von Pyramid (Saitenfabrik Junger GmbH)  haben nur 39 kp Zugspannung. Das ist weniger als bei typischen Nylonsaiten. Das sollte jede klassische Gitarre aushalten. Spielt man häufig mit diesen Saiten kann es zu Riefen bei der Stegeinlage und beim Sattel kommen. Die muss man dann mit Schmirgelpapier auspolieren wenn man wieder auf Nylonsaiten umsteigt. Vorteilhaft ist wenn man eine 2. Stegeinlage verwendet – die kann auch etwas niedriger sein als die für die Nylonsaiten. Wer dann auch nur mit zwei Fingern der linken Hand spielt, bekommt dann schon einen recht guten Django Sound auf der Gitarre.

Stahlsaiten_Steg_smDie Stahlsaiten werden am Steg einfach durchgesteckt. Am Kopf muss man die dünnen Saiten (e,h), nachdem man sie durch das Loch am Wirbel gesteckt hat, verdrillen – ähnlich wie man es mit Nylonsaiten am Steg macht. Das Stimmen ist mit Stahlsaiten etwas schwieriger. Da die Wirbel bei einer klassischen Gitarre dicker sind als bei einer Gitarre für Stahlsaiten ändert sich die Tonhöhe beim Drehen an der Mechanik recht stark. Da muss man mit Gefühl arbeiten.

Der Steg und der Sattel sind bei einer klassischen Gitarre höher als bei Gitarren, die für Stahlsaiten gebaut wurden. Da sich die Stahlsaiten kaum dehnen sind die Töne besonders in der 1. Lage meist zu hoch wenn man die Leersaiten genau stimmt. Einen recht guten Kompromiss erreicht man wenn man die Töne im 1. Bund genau stimmt. Ideal wäre es wenn man für Stahlsaiten eine  niedrige Sattel- und Stegeinlage verwendet. Das ist aber ziemlich aufwändig. Eine niedrige Saitenlage zumindest für die unteren Lagen erreicht man mit einem Kapodaster auf dem 1. Bund. Man stimmt die Leersaiten dafür einen halben Ton tiefer.

Der Klang der Gitarre mit Stahlsaiten ändert sich vor allem bei den hohen Saiten. Diese klingen auch ohne Verstärker viel länger nach als Nylonsaiten.

Klangbeispiel: Folk Song aus der Bretagne

Capricho Arabe – Steel String

Konzert Kritik: Katona Twins in Bebenhausen

Katona Twins DiskDas Konzert fand im Sommerrefektorium des Klosters Bebenhausen – ein etwa 240 qm goßer Raum mit einer hohen gotischen Spitzbogendecke, in den etwa 350 Zuschauer passen. Man sollte eigentlich erwarten, daß da zwei Gitarren ein Problem haben, diesen Raum zu füllen. Die erste Überraschung war, dass die Katona Twins, den Raum mit ihren relativ kleinen Gitarren locker füllen konnten. Man hatte den Eindruck, dass ein Verstärker eingeschaltet war. Die Katona Twins spielten auf zwei „Smallman Type“ Gitarren, mit denen sowohl langsame Melodien, laute und leise Stellen, Tonvariationen und perkussive Elemente fast mühelos mit stupender Technik präsentiert wurden. Das Duo spielte wie die Gitarristen der Romantik im Stehen, sodaß man selbst in den hinteren Sitzreihen die Gitarristen gut sehen und vor allem sehr gut hören konnte.

Das Programm mit spätromantischer spanischer Musik von Manuel de Falla, Isaac Albeniz, Joaquin Rodrigo und Enrique Granados war ideal für einen schönen Sommerabend in romantischer Umgebung. Leider war es sehr kalt (die Winterreise hätte als Motto auch gepaßt!). Das merkte man auch beim ersten Stück, bei dem sich das Duo erst einmal warm spielen musste. Ab dann aber hatte das Publikum tatsächlich das Gefühl in Spanien zu sein. Ich habe in letzter Zeit kein Duo gehört, dass diese Musik so überzeugend und lebendig spielte. Technische Probleme scheint es für das Duo nicht zu geben, sodaß sie sich voll auf die Musik konzentrieren können.

Zwischen die spanischen Stücke wurde die Chaconne G-Dur HWV 435 von Georg Friedrich Händel gespielt, wohl eine Reverenz an den Musikgeschmack der typischen „Weisskopfadler“ Zuhörer. Das Stück wurde in einer eigenen Bearbeitung mit stupender Technik gespielt aber in einem veralteten „romantischen“ Stil. Das wird heute mit historischer Aufführungspraxis anders gestaltet. Hier hätte man sich auch Gitarren mit einem helleren, klaren Ton gewünscht. Das Klangbild war eher „Gitarrenorgel“.  Hier hätten im Programm einige alte spanische Gitarrenstücke besser gepasst, um die Nähe und die Herkunft der romantischen Stücke zu verdeutlichen.

Als „Rausschmeißer“ spielten die Katona Twins die Tango Suite von Astor Piazolla – tänzerisch und hinreißend. Frenetischer Applaus und zwei schöne Zugaben als Abschluss eines überragenden Konzerts.

PS Es lohnt sich gute handgemachte Musik als Abwechslung zu den akustischen Niederungen von Youtube auf dem Handy und der Künste der CD Toningenieure zu hören.

YouTube: Katona Twins – Scarlatti mit Orchester
Die Altmeister: Duo Julian Bream & John Williams