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Xerxes mit Lauten und Barockgitarre an der Oper Frankfurt

An der Oper Frankfurt hatte die Händel Oper Xerxes am 8. Januar, 2017 Premiere und steht jetzt auf dem Spielplan. Das Orchester spielt mit einer „Rhythmus“ Gruppe mit Lauten und Barockgitarre. Dadurch erhält man ein authentisches Klangbild und viel historischen „Drive“. Aufführungen mit konventioneller Besetzung wirken dagegen langweilig. Die Oper Frankfurt kombiniert die historische Musik mit einer modernen Aufführung. Sehenswert!

Ich habe in der Tradition der Gitarristen (Gitarre und Oper) den Ohrwurm der Oper Xerxes „Ombra mai fu“ für Gitarre Solo Ombra mai fu – Gitarre Solo und für Gitarre Duo Ombra mai fu – Gitarre Duo gesetzt. Xerxes war offenbar der erste „Grüne“ auf dem Thron. Er ließ die wunderbare Platane, die in der Aria besungen wird, mit Gold behängen und von Soldaten bewachen. Nachdem ein Sturm seine gerade fertiggestellten Brücken über die Dardanellen zerstörte, ließ er das Meer auspeitschen und die leitenden Ingenieure des Brückenbaus köpfen. Darüber gibt es aber leider keine Arie.

Duo Kowalska/Berula  (Tschechien) Barockgitarre und Theorbe  Canarios (YouTube)

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Schloss mit Barocktheater

Eine Reise wert ist das vollständig erhaltene Barocktheater in Cesky Krumlov (das scheinen aber nur die Japaner zu wissen). Da kann man noch die vollständig erhaltene barocke Theater-Maschinerie in Aktion sehen. Historische Aufführungen gibt es da aber nur selten im Sommer:  Schloßtheater in Český Krumlov

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Besuch im Lautenmuseum Füssen

Füssen-Schloss

Füssen Hohes Schloss

In Füssen findet man ein kleines aber feines Museum zur Geschichte des Lautenbaus in der Region. Im Sommer kann man einen Zwischenstopp bei der Fahrt in den Süden einlegen. Im Winter eignet sich Füssen für einen romantischen  Wochenendausflug.

 

Im 16. Jahrhundert war Füssen das Zentrum des Geigen- und Lautenbaus in Europa. Lauten und Bauteile für Lauten wurden hier in großem Maßstab gebaut und exportiert. Es begann mit einem Transfer von Technologie durch sephardische Juden, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden.

Füssen Lautenmseum

Füssen Lautenmseum

Ein Mitglied der Familie Wolf (Lopez -> Lupus) erwarb 1493 das Bürgerrecht als Lautenmacher in Füssen. Da er hauptsächlich für den Export arbeitete, war er kein Konkurrent für die örtlichen Handwerker. In der Region wuchs das Material für den Lautenbau: Eibe, Fichte, Ahorn und Buchsbaum in hervorragender Qualität. Das Museum legt den Wert auf die Herstellung der Lauteninstrumente und ihre Bedeutung für die Region Füssen.

Gitarren 17./18.Jahrhindert

Gitarren 17./18.Jahrhindert

Saiteninstrumente aus den verschiedenen Epochen werden exemplarisch gezeigt.

Laute Mitte 16. Jahrhundert

Laute Mitte 16. Jahrhundert

Die älteste Laute im Museum stammt von Wolfgang Wolf aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Hier sieht man auch deutlich die Probleme der Lauten. Die Decke musste extrem leicht gebaut werden und hatte damit keine lange Lebensdauer. Zum Transport z.B. zu den Fuggers nach Augsburg (siehe auch Fugger und Welser Museum Augsburg) steckte man die Lauten in mit Stroh ausgepolsterte Weinfässer. Die hohen Transportkosten konnte man vermeiden indem man nur die Einzelteile der Laute herstellte und die Lauten dann vor Ort zusammenbaute.

Caspar Tiefenbrucker Denkmal

Caspar Tiefenbrucker Denkmal

Den „Just in Time“ Zusammenbau erledigten dann ausgewanderte Füssener Lautenbauer wie Edlinger in Prag oder die  Tieffenbrucker in Italien. Das zweite Problem waren die Saiten der Laute, die eine begrenzte Lebensdauer hatten und sehr teuer waren.  Ein Lautenist musste etwa 1/3 seines Salärs für Saiten aufwenden.

Der Tod spielt CisterFür das gemeine Volk spielte man auf der Cister mit Metallsaiten. Auf dem Totentanz-Fresko im Füssener Museum sieht man rechts unten einen Cisterspieler – den Tod. Die Cister, die E-Gitarre der Renaissance,  war sehr laut, wurde zum Tanz gespielt und wurde ganz offensichtlich von den Kirchenleuten nicht gerne gesehen.

Lautenmuseum Füssen - Cister

Lautenmuseum Füssen – Cister

Das Museum zeigt ein schönes Exemplar einer Cister mit Hörbeispielen.

Die ausgestellten Gitarren aus verschiedenen Epochen sind sorgfältig ausgewählt und gut erhalten. Der Bau von Lauten wird an Mustern gezeigt. Es gibt auch eine Station zur Herstellung der Saiten, die sonst in den Museen meist nicht erwähnt werden.

Nach dem Museumsbesuch sollten ernsthafte Gitarristen unbedingt in der Werkstatt des einzigen in Füssen verbliebenen Gitarren- und Lautenbauers Urs Langenbacher vorbei schauen (Anmeldung empfohlen). Eine von Urs gebaute Lautenmuschel wird im Museum ausgestellt.

Werkstatt Urs Langenbacher

Werkstatt Urs Langenbacher

Urs Langenbacher teilt sich die Werkstatt im Dachgeschoss über der kleinen Markthalle mit dem Geigenbauer Pierre Chaubert. Da kann man das Handwerk erleben. Urs ist einer der wenigen Gitarrenbauer in Deutschland, die Gitarren der „Mercedes“ Klasse nach eigenen Klangvorstellungen entwickeln und den Spielern auf den Leib schneidern. Natürlich sind solche Gitarren nicht billig (2015  > 7000 €) aber immer noch billiger als ein CO2 generierendes Automobil! Das entspricht in Kaufkraft dem Preis von 5 Gulden einer guten Laute im 16.  Jahrhundert!

Selbst wenn man das Budget für eine solch Gitarre nicht in der Tasche hat, lohnt sich ein Besuch. Die Gitarrenspieler, die sich ein solches Modell leisten, haben meist auf sehr guten Gitarren gespielt, die in Kommission verkauft werden. Auch der Kauf einer guten Schülergitarre beim Gitarrenbauer lohnt sich, da diese perfekt eingerichtet ist.

Die Gegend in und um Füssen ist auch im Winter eine Reise wert. In der Altstadt gibt es genügend urige Gasthäuser.

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Hopfensee

Meine Empfehlung ist ein Abendessen bei Sonnenuntergang im Wintergarten in der Fischerhütte am Hopfensee. Da kann man im Sommer auch schön wandern oder biken. Im Winter gibt es schöne ebene Langlaufloipen und sogar eine Eisbahn für die Schlittschuhfahrer. Abfahrern sei die am Abend beleuchtete Skipiste unterhalb Schloss Neuschwanstein empfohlen. Romantischer geht’s nicht.

Nachtleben in Füssen

Nachtleben in Füssen

Für die Jugend ist allerdings in Füssen am Abend nicht viel los. Immerhin hat sich die Jugend ein schönes Emblem einfallen lassen, das das Motiv von der Totentafel aufgreift.

Gitarrenlaute als Cister verwenden

Git-Laute-Profil2Die Gitarrenlaute hat weder die Form einer Gitarre noch die Form einer Laute. Es ist eigentlich eine Cister mit sechs Saiten (6 chörig). Bespannt man eine Gitarrenlaute mit den üblichen Nylonsaiten für Gitarre, klingt das Instrument nicht wesentlich anders als eine billige Gitarre. Es liegt nahe, das Instrument mit Metallsaiten mit der Stimmung einer Cister auszurüsten. Allerdings muss man vorher die Gitarrenlaute umbauen, damit die Saiten niedrig liegen. Dann erhält man einen ganz anderen Klang (  Cister/Gitarrenlaute Hörprobe ). So hört es sich an wenn ein Meister wie Jacob Heringman auf einer guten Cister spielt: A Horne pype.

Typisch für die Cister ist, dass es ähnlich wie bei Lauten in der Renaissance viele unterschiedliche Stimmungen gab, Je nachdem welche Sachen man spielen möchte, muss man eine andere Stimmung wählen, da die Stücke in Tabulatur notiert sind. Ich habe die Stimmung von Sixtus Kargel für sechschörige Laute gewählt:  h- G – D -g -d‘-e‘  . Man sollte dafür einen Satz Stahlsaiten verwenden, die möglichst leicht sind (Light Gauge), damit die Saitenspannung möglichst gering ist. Das tut dem Instrument gut, erleichtert das Spielen auf den Stahlsaiten und man erhält damit einen guten „Cister“ Klang. Als d‘ -Saite (2.) verwende ich die e‘ Saite (1st-010w) aus dem Satz. Als e“-Saite verwende ich eine g Oktav Saite einer zwölfsaitigen Gitarre -009w ). Die h‘- Saite aus dem Satz wird für die 6. Saite verwendet. Die A-Saite (5.) wird auf G heruntergestimmt.

Die vierchörige Cister wurde meist mit einem Plektrum ähnlich wie Mandoline oder heute die E-Gitarre gespielt. Das Plektrum war früher ziemlich groß und glich eher einem Schuhlöffel. Der Schweizer Clown Dimitri zeigt, dass selbst ein so großes Teil im Schalloch verloren gehen kann (Dimitri mit seiner Cister) und man auch mit einem Tischtennisball Cister spielen kann.. Die sechschörige Cister wurde ähnlich wie auf der Laute gezupft und geschlagen. Die Technik ist ähnlich wie beim Fingerpicking .

Will man eine größere Bandbreite von Stücken spielen, sollte man eine vielseitig verwendbare „offene“ Stimmung wählen. Sehr vielseitig ist das Drop D Tuning typisch für Keith Richards (Rolling Stones – neue CD Crosseyed). Diese Stimmung wird aber auch in der Folk Musik u.a. in Hawai (Slack Guitar Lesson) viel verwendet. Der Trick ist immer, dass die Gitarre wie eine Cister in einem offenen Akkord (herunter) gestimmt wird und man dadurch mit wenig Aufwand einen „riesigen“ Klang bekommt. Für Drop D Tuning: D-G-d-g-h’/b‘-d‘ muss man keine Saiten wechseln. Einige Saiten werden nur tiefer gestimmt. So geht’s:  Einführung Video Drop D Tuning

Wer sich mit den verschiedenen Stimmungen schwer tut kann das TAB Programm des Notensatzprogramms FINALE benutzen um konventionelle Notation in TABs für unterschiedlich gestimmte Instrumente umzuwandeln (oder alte Tabulaturen in Notenschrift darzustellen.

Mit dieser Stimmung kann man Stücke von der Renaissance bis zur Moderne spielen. Hat man keine Gitarrenlaute zur Hand kann man auch auf eine einfache „klassische“ Gitarre Cister Saiten aufziehen. Der Sound ist aber dann deutlich anders als auf der Lautengitarre oder einer original Cister. Ausprobieren und viel Spass beim historischen Gitarrespiel.

Engel-Cister_LeMans

Darstellung eines Cister spielenden Engels in der Engelskapelle der Kathedrale von Le Mans (spätes 15. Jahrhundert).

PS Donald Sauter gibt eine einfache Anleitung für den Umbau einer klassischen Gitarre zu einer Barock Gitarre mit Doppelsaiten!
A Quasi Baroque Guitar

Barocke Zupfinstrumente bei den Innsbrucker Festwochen der alten Musik

Der Dirigent Alessandro Di Marchi läßt bei den Innsbrucker Festwochen der alten Musik in der Oper La Stellidaure Vendicante von Francesco Provenzale  ein großes Arsenal von Barockinstrumenten (Gitarren, Colascione, Mandolinen usw) sowie viele Perkussionsinstrumente auffahren, die einen Eindruck von der Aufführungspraxis in Neapel vermitteln (Video mit Kommentaren). Solche Aufführungen sind nur möglich weil es inzwischen Gitarristen und Lautenisten gibt, die diese Musik professionell spielen können. Man kann fast von einer Renaissance speziell der Gitarre in der Alten Musik Szene sprechen.

Gitarristen, die „nur“ auf der Gitarre begleiten, sollten sich diese Musik mal anhören und ansehen. Dann erkennt man, dass die „Begleiter“ in der Tradition der barocken Musiker spielen. Eine gute Begleitband mit Gitarre, Bass und Schlagzeug ist eigentlich nichts anderes als eine barocke Basso Continuo Gruppe mit modernen Instrumenten.

Alte Gitarren- und Lautenmusik aus Tschechien

  Pavel Steidl ist inzwischen in der klassischen Gitarrenszene bestens bekannt. Es gibt aber in Tschechien eine lange Tradition speziell in der Lautenmusik. Ein bemerkenswertes Duo bilden Anton Birula (Laute/Theorbe)) und Anna Kowalska (Barock Gitarre). Höhrenswert Alessandro Piccinini, Sonate für Barock Gitarre und Theorbe  und sehenswert:  Luteduo –  Anna Kowalska & Anton Birula Da kann man sehr schön die Schlagtechniken auf der Barock Gitarre sehen (The Rawlins– schönes Instrument von Antonio Stradivari, Cremona 1700).

Bei der Editio Bärenreiter Praha  findet man interessante Ausgaben z.B. Suite A-Dur von Ivan Jelinek (1683-1759), Editio Bärenreiter Praha H 7879, in einer sehr guten Ausgabe von Stanislav Jurica. Die Suite ist nicht allzu schwer und klingt sehr gut vergleichbar mit den Suiten von A. Brescianello.

PS Auf dem Weg von der Karlsbrücke zur Prager Burg findet man rechts das Haus des berühmten Lauten- und Geigenbauers Thomas Edlinger. Leicht zu erkennen am Wappen mit den drei Geigen über dem Giebel.

Gitarrenlaute spielbar machen

Immer wieder tauchen auf dem Flohmarkt oder bei Ebay Gitarrenlauten auf,  die meist vom Ton her nicht berauschend sind, da man bei besseren Modellen offensichtlich mehr Wert auf schöne Schnitzereien als auf guten Ton gelegt hat. Ganz selten findet man auch alte Lauten, die im 19. Jahrhundert zu Gitarrenlauten umgebaut wurden, da Lautensaiten teuer waren und die Lauten auch schwer zu spielen und zu stimmen waren. Auf dem berühmten Gemälde von 1533 „Die Gesandten von Hans Holbein d.J. , der für seine Detailgenauigkeit gerühmt wird, ist eine Laute mit sechs (Doppel) Saiten abgebildet. In der Romantik war die Lautengitarre mit sechs Einzelsaiten populär (siehe Bild von Mignon, Wilhelm von Schadow, 1828)., die den Korpus einer Laute hatte.  Die Gitarrenlaute ist also eine einfache Form – eigentlich mit dem Korpus einer Cister.

Bei wirklich alten Instrumenten (auch Stradivari hat solche Instrumente gebaut!) lohnt sich meist die Restaurierung beim Lautenbauer. Hermann Hauser hat bis 1930 vorwiegend Gitarrenlauten gebaut.

Gitarrenlaute von Hermann Hauser, 1922

Eine schöne Hermann Hauser Gitarrenlaute von 1922 wird vom Gitarrenbauer Michael Wichmann für 3900 € angeboten.

Bei Billiginstrumenten sieht es aber anders aus. Vor einigen Jahren habe ich für 70 € so eine Gitarrenlaute mit einem Stempel auf dem Rücken „Marke Joach. Tielke 1641-1719“ bei eBay ersteigert. Der gute Lautenbauer Joachim Tielke würde sich sicher mehrfach im Grab rumdrehen, wenn er sehen würde, welch mickrige Instrumente unter seinem Namen verkauft wurden.

Gitarrenlaute (nach Umbau)

Trotzdem handelt es sich bei diesen Gitarrenlauten um historische Instrumente, die zusammen mit der vielgehassten Blockflöte (Dolmetsch spielte auch Laute) bei den Wandervögeln und in der Jugendbewegung verwendet wurden und mit zur heute wieder topaktuellen Renaissance der Alten Musik geführt haben. Die Instrumente hatten den Vorteil, dass sie billig und extrem leicht gebaut waren und man sie überall mitnehmen konnte. Eigentlich sind diese billigen Gitarrenlauten Nachkommen der Cister (Hörbeispiel) , die mit flach gewölbtem Boden und Metallsaiten schon in der Renaissance meist in Wirtshäusern gespielt wurde. Da brauchte man ein lautes robustes Instrument, dessen Saiten billig waren und nicht so schnell verschlissen waren wie die Darmsaiten der Lauten. Die Cistern hatten zunächst vier dann später sechs Doppelsaiten. Die zwölfsaitige Gitarre ist also auch ein Nachfahre der Cister.

Die meisten Gitarrenlauten, die man heute billig kaufen kann, sind in schlechtem Zustand. Man findet aber immer wieder Modelle, bei denen sowohl die Decke als auch der Korpus noch intakt sind. Da lohnt es sich durchaus, das Instrument wieder spielbar zu machen.

Geht man mit so einem Billiginstrument zu einem Gitarrenbauer, so wird dieser sofort abwinken. Sein Aufwand (und seine Rechnung) um das Instrument wieder einigermaßen spielbar zu machen, übersteigt den Wert des Instruments erheblich. Außerdem reparieren Gitarrenbauer äußerst ungern – an neuen Gitarren ist mehr Ruhm, Ehre und Geld zu verdienen. Es gibt aber auch in der Mittelalterszene Musikanten, die Erfahrung mit der Reparatur alter Gitarrenlauten haben.  Mit ein wenig handwerklichem Geschick oder Hilfe kann man aber so eine alte Lautengitarre wieder einigermaßen spielbar machen. Das erste Problem sind fehlende PINs in der Steckbrücke.

PINs-GLaute

Diese PINs kann man man kaufen – Achtung da gibt es unterschiedliche Größen. Man kann die PINs zur Not aber auch selbst aus  Holzdübeln vom Baumarkt selbst herstellen. Hierzu braucht man eine Bohrmaschine, eine Feile und wenn möglich eine Schieblehre (man kann sich aber auch mit einem vorhandenen PIN eine Schablone aus Pappe machen). Man spannt den Hölzdübel wie sonst den Bohrer in die Handbohrmaschine ein. Der Dübel sollte etwa 3 mm + Länge des Steckerteils des PINs aus dem Bohrfutter herausragen. Man  lässt den Bohrer mit hoher Geschwindigkeit laufen und fräst mit der Feile den Steckteil des PINs konisch zurecht. Es empfiehlt sich hierfür den Bohrer in einen Schraubstock einzuspannen. Es empfiehlt sich, zunächst mit ein paar Holzdübeln zu üben. Stimmt die Form des PIN Steckers, öffnet man das Bohrfutter und dreht den Holzdübel um. Nun kann man den Kopf mit Feile und der Bohrmaschine formen. Stimmt die Form des Kopfes, sägt man ihn auf die richtige Länge zu und sägt dann auch den Steckteil auf die richtige Länge.  Der PIN Kopf sollte genau so lang sein wie die noch vorhandenen PINs. Anschließend kann man mit feinem Schmirgelpapier noch etwas nacharbeiten. Jetzt kann man den neuen PIN Schwarz einfärben – am einfachsten geht das mit einem schwarzen Filzstift. Wer hat der kann auch noch mit schwarzem Lack oder Klarlack lackieren oder mir Möbelpolitur polieren.

Steg mit alten und neuen PINs

Für meine Gitarrenlaute habe ich drei PINs wie oben angefertigt. Die Original-Pins erkennt man an der Perlmutteinlage im Kopf. Nun kann man die Gitarrenlaute mit extra leicht Stahlsaiten  leicht bespannen. Damit erhält man den CISTER Klang. Man kann die Gitarrenlaute aber auch mit  Nylon Gitarrensaiten bespannen. As Ersatz für die „Ballends“ bei den Metallsaiten macht man am Saitenende jeweils einen dicken Knoten, steckt die Saite dann in das Pinloch und drückt den PIN fest nach. Anschließend fest an der Saite ziehen, damit der Knoten oder das Balend wirklich fest sitzt. Nun kann man alle Saiten aufziehen und die Gitarrenlaute anspielen. Dabei wird man feststellen, dass die Saitenlage viel zu hoch ist und das Instrument schon deshalb total verstimmt ist.Git_Laute_Bridge

Meine Gitarrenlaute hat einen Patentsteg für Metallsaiten aus Metall (ganz schön modern!), den man nach Öffnen der beiden Schrauben nach hinten schieben kann (eventuell muss man auch weiter hinten zwei neue Löcher für die Schrauben bohren).

Steg-BohrungZwei neue Löcher für die Schrauben des Stegs wurden etwa 5 mm nach hinten versetzt gebohrt damit der Patentsteg aus Metall weiter nach hinten geschoben werden kann. Dadurch wird die Länge der schwingenden Saiten größer.

Damit wird die Stimmung zwar etwas besser – das Instrument ist aber wegen der hohen Saitenlage praktisch unspielbar. Um die Saitenlage zu verbessern muss man die Brücke 2 – 3 mm niedriger machen.

Achtung: die meisten Gitarrenlauten haben einen Nullbund, das ist einfach ein zuätzlicher Bund anstatt dem bei Gitarren üblichen Sattel. Bei zu niedriger Saitenlage klirren dann die Leersaiten. Dann muss man z.B. eine oder mehrere dicke Plastikfolien unter die Metallteile legen bis die Leersaiten nicht mehr klingen.

Gitarrenlaute Nullbund

Das Tieferlegen des Setgs geht am einfachsten mit einer Japansäge (gibt’s inzwischen schon bei Aldi), die Holz auch in der Längsrichtung sauber schneiden kann. Damit der Schnitt exakt geführt werden kann, baut man sich zwischen Schalloch und Vorderseite des Stegs mit dicker Pappe eine Führung für das Sägeblatt mit etwa 5 cm breite und mit der richtigen Höhe von 2 bis 3 mm.

Steg-Vorlge-Höhe

Vorlage/Führung aus Pappe

Man legt nun die Säge flach an die Führung an und sägt die überflüssigen Brückenhöhe einfach ab.

Steg-SägeDa die Japansäge sehr sauber arbeitet, braucht man anschließend nur wenig mit Schmirgelpapier nacharbeiten. Anschließend wird die Fläche geschwärzt (mit Filzstift) und mit etwas Möbelpolitur aufpoliert. Anschließend schraubt man den Patentsteg wieder an – meist muss man ihn möglichst weit vom Schalloch entfernt anbringen – und überprüft die Stimmung mit einem elektronischen Stimmgerät  z.B. der hohen und tiefen E Saite etwa auf dem 7. Bund. Meist muss man den Steg wie bei Gitarren ein wenig schräg stellen. Eventuell muss man den Patentsteg noch etwas nach hinten verschieben. Man erreicht mit diesen Änderungen eine vernünftige Saitenlage und Stimmung. (Ist die Saitenlage zu niedrig kann man mit einer dünnen Unterlage z.B. einer Plastikhartfolie den Steg wieder erhöhen.
Mit etwas Geschick kann man den Umbau in etwa einer Stunde erledigen. Etwas schwieriger wird es, wenn die Gitarrenlaute keinen Patentsteg, sondern einen eingelegten Steg wie heutige Gitarren hat. Da kann man den Steg niedriger machen, man kann ihn aber nicht so einfach verschieben.

Will man die Gitarrenlaute bei Folk- und Mittelaltermusik oder im Kindergarten einsetzen, sollte man einen Tonabnehmer (Coxx Piezo Tonabnehmer stilvoll aus Holz – 30 €) anbringen und sich einen batteriebetriebenen Marshall-MS2 Miniverstärker für Gitarre an den Gürtel hängen. Im Bild oben kann man sehen wie das Kabel vom Piezo Tonabnehmer aus der Rosette heraus am oberen Griffbrett Rand auf einem schwarzen Streifen eingefärbtes doppelseitiges Klebeband nach hinten zum Ministecker des Tonabnehmers geführt wird. Man kann diesen Tonabnehmer Installation problemlos wieder entfernen ohne dass das alte Instrument beschädigt wird. Mit dem kleinen Verstärker kann man auch mit lauteren Instrumenten mithalten und erhält wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit vom Publikum, als die Spieler mit modernen Instrumenten. Schön ist es, wenn man auch ein wenig über die Geschichte dieses Instruments als Gegenentwurf zum Klavier des Bürgertums erzählen kann. Auch die schlechten, billigen Instrumente sind Teil der Geschichte der Gitarre. In den 20er Jahren waren Mandoline und Gitarrenlaute die „In“ Instrumente der Arbeiterbewegung. Bert Brecht sang zu Anfang seiner Karriere in München die Lieder von Frank Wedekind wie er zu Gitarre und Gitarrenlaute. („Wo die Geister wandeln: Literarische Spaziergänge in Schwabing“ von Dirk Heisserer, S. 278)

Erzlaute

Deutsche Erzlaute

Für alte Musik ist eine theorbierte Gitarrenlaute (Deutsche Erzlaute, Schwanenhalslaute, Kontralaute) mit 4 oder 6 zusätzlich tiefen, frei schwingenden Bordunsaiten interessant (Hörbeispiel , Archlute/Erzlaute). Speziell die Modelle mit 6 Bordunsaiten sind auf dem Markt aber selten zu finden und werden nur noch von wenigen Lautenbauern auf Bestellung angefertigt. (Auch bei dieser Erzlaute wurde der Steg niedriger gelegt! Am 7. Bund (Korpusansatz) ist die Seitenhöhe 4 mm. Am Sattel liegen die Saiten sehr eng beieinander ähnlich wie bei einer E-Gitarre. Ich habe mir aus einem Knochenrohling einen neuen Sattel angefertigt, bei dem die Saiten (E1 – E6) etwa 2 mm weiter auseinander liegen. Damit läßt sich die Erzlaute recht komfortabel spielen auch wenn man von der klassischen Gitarre ein etwas breiteres Griffbrett gewohnt ist..

PS Die alten Gitarrenlauten kann man mit Metallsaiten auch als einchörigen Ersatz für eine Cister einsetzen. Die Stimmung der 6 chörigen Cister war ein offenes C mit C,E,G,c,e,g. Solche „offenen“ Stimmungen findet man noch heute in der Volksmusik und bei Blues Gitarristen (Open D mit D, A, d, fis, a, d) .

Spielhaltung Romantische Gitarre

Die „Klassische“ Haltung der Gitarre, auf dem linken Oberschenkel und Fußbänkchen damit die Gitarrre auf die richtige Höhe kommt, ist eigentlich sehr unbequem und führt bei Profimusikern oft zu Haltungsschäden. Etwas besser wird es wenn man eine Gitarrenstütze verwendet und gerade sitzt. Das ist die heute bei den Profigitarristen wohl die häufigste Sitzposition. Ich persönlich finde diese Position nicht besonders gut, da eine gute Stütze ein ziemlich großes unhandliches Teil ist und die üblichen Saugnäpfe auf der Zarge meiner Gitarre mit Schellack Politur nie richtig halten. Eigentlich hält nur eine Stütze, die man mit einer Klemme an der Gitarre festschraubt. Das tut der Gitarre und dem Ton sicher nicht besonders gut, obwohl man die Schulterstützen und Kinnhalter bei den Geigen ähnlich befestigt.

Spielt man eine „kleine“ historische Gitarre (wie z.B. mein Stauffer-Nachbau (Konstruktionsdetails) von 1829 (Dietrich, Erlbach)) so braucht man eine sehr unförmige Stütze, um die Gitarre in einigermaßen angenehme Position zu bringen.  Offensichtlich wurden die kleinen, Romantischen Gitarren häufig in einer Haltung gespielt, die der Haltung einer Gambe oder eines Cellos mehr ähnelt als der heute üblichen Haltung der Gitarre. Die im Barock häufig verwendete Gitarra Battente wurde dagegen „geschlagen“ und in ähnlicher Haltung wie die moderne E-Gitarre gespielt.

Der Spieler sitzt (oder steht) gerade, die Gitarre wird mit der unteren Zarge auf den rechten Oberschenkel aufgestellt und sehr steil gehalten. Das erleichtert das Spiel vor allem in den oberen Lagen ungemein. Man muss die rechte Hand auch nicht abkippen um die Saiten im richtigen Winkel anzuschlagen. Wer das einmal ausprobiert wird begeistert sein. Man sieht diese Art des Spiels mittlerweile bei vielen Solisten z.B.  Franz Halasz, Matteo Mela,  u.a. Irgenwo habe ich sogar einen Gitarristen auf einem Video gesehen, der eine Gitarre mit einem Cello Sporn spielte ganz ähnlich wie auf einem Violone. Mit der gleichen Haltung kann man auch eine Laute spielen. Lautenspieler verwenden auch gerne ein Lautenband, das an einem Knopf am unteren Ende des Korpus (wie bei einer Folk-Gitarre) befestigt wird und auf das sich der Lautenspieler setzt, um die Laute zu fixieren. Man kann das Lautenband aber auch benutzen um die Laute im Stehen oder im Gehen zu spielen. Im Barock (und heute im Barockorchester) spielten die Musiker und nicht nur die Solisten meist im Stehen.  Das macht z.B. Paul O’Dette gerne zu Beginn seiner Konzerte. Leider ist dieser sehr sinnvolle Knopf für die Befestigung eines Bandes bei hochwertigen Gitarren aus der Mode gekommen. Man kann sich aber einen solchen Knopf beim Gitarrenbauer stilvoll mit einem Konus anbringen lassen oder ganz prosaisch einen Knopf anschrauben. Ich habe am Knopf meiner Romantikgitarre einen Gitarrengurt aus weichem Wildleder angebracht. Damit kann man die Gitarre mit dem gleichen Trick wie bei der Laute „felsenfest“ positionieren und völlig entspannt spielen ohne sich mit klobigen Stützen, die auch optisch nicht zu einer romatischen Gitarre passen, herumärgern zu müssen. Das abwechselnde Spiel auf Laute und Gitarre wird damit wesentlich erleichtert, da man bei beiden Instrumenten eine ähnliche Spielposition hat.